Wissenschaftstag: Einblicke in fürs Auge verborgene Prozesse

Elektronen-, Multiphotonen- und Konfokalmikroskopie: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 16. Dortmunder Wissenschaftstag (10. Oktober 2019) konnten u.a. spannende Einblicke in für die Augen verborgene Strukturen erhalten. Zusammen mit dem Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften (ISAS) hat das IfADo dieses Jahr erneut eine Tour organisiert.

Dr. Alex von Bohlen beim Bilderrätsel
Bilderrätsel aus dem Elektronenmikroskop mit Dr. Alex von Bohlen.

Für die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ging es zunächst ans ISAS. „Wir interessieren uns für biologische Systeme – funktionalisierte Oberflächen, biologische Oberflächen, Zellen – und deren Wechselwirkung mit ihrer Umgebung“, erklärt Dr. Roland Hergenröder, Leiter der ISAS-Gruppe „Bioresponsive Materialien“. So beschäftigt sich die Gruppe zum Beispiel mit der Adsorption von biologischen Grundbausteinen und kleinen Biomolekülen an metallischen Oberflächen, die etwa für die Verträglichkeit von Gelenkprothesen eine Rolle spielt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten einen Blick in die Labore werfen und Fragen zu den verschiedenen Analysemethoden stellen. In einem Bilderquiz sollten sie beispielsweise erraten, was die jeweilige elektronenmikroskopische Abbildung darstellt. Zur Auswahl standen u.a. Aufnahmen von Schimmel auf Kürbis, einer Schlangenhaut oder dem Flügel einer Libelle unter dem Elektronenmikroskop.

Einblick in die aktuelle (Leber-)Forschung am IfADo

Angekommen am IfADo drehte sich alles um eins der schwersten Organe des menschlichen Körpers: die Leber. Dem Organ werden unterschiedliche Begriffe zugeschrieben: Regenerationskünstlerin, Stoffwechsel- und Entgiftungszentrale, Eiweißfabrik sowie Speicher- und Ausscheidungsorgan. Diese vielfältigen Bezeichnungen verdeutlichen, dass die Leber überlebenswichtige Funktionen im Körper übernimmt. „Alle Stoffe, die wir oral aufnehmen, passieren erst die Leber, bevor sie in den allgemeinen Blutkreislauf gelangen“, erklärt Prof. Dr. Jan Hengstler, wissenschaftlicher Direktor des IfADo.

Prof. Jan Hengstler mit Besuchern vor dem Mikroskop
Prof. Jan Hengstler mit den Teilnehmenden im IfADo-Labor.

Der Toxikologe erforscht mit seiner Abteilung u.a. die Grundlagen von Lebererkrankungen auf Zellebene. Dabei interessieren sich die Forschenden etwa für Stoffwechselvorgänge bei einer Fettlebererkrankung oder für die toxischen Wirkmechanismen der Galle. Das übergeordnete Ziel ihrer Arbeit haben die Forschenden immer im Blick: Basierend auf dem Verständnis der molekularen Mechanismen, die zu gesundheitsrelevanten Effekten führen, tragen sie zu neuen Erkenntnissen für die Risikobewertung von Chemikalien bei.

Um zu verstehen, wie die Leber und weitere Organe im Detail arbeiten, entwickeln die Forschenden spezielle Modellierungs- und Mikroskoptechnologien. So können sie Einblicke in lebende Zellen und Organismen erhalten. Einige auf diese Weise gewonnene Aufnahmen von „Leberzellen in Aktion“ konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wissenschaftstags während eines Vortrags begutachten. Anschließend ging es in die Laborräume.

Das ISAS-IfADo-Team bedankt sich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den Besuch und die vielen, interessierten Fragen zu unserer Forschung.

Dortmunder Wissenschaftstag:
Seit 2002 ist der Dortmunder Wissenschaftstag ein fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Stadt. Er findet seit 2016 alle zwei Jahre im Wechsel mit der Dortmunder Wissenschaftskonferenz statt. Der Wissenschaftstag wird von der Dortmund-Stiftung finanziell unterstützt und von windo e.V. sowie der Stadt Dortmund organisiert. Rund 20 wissenschaftliche Institute, Hochschulen, Unternehmen, Museen, Netzwerke und sonstige Einrichtungen beteiligten sich an der diesjährigen Programmgestaltung.