Symposium: Alternativen zu Tierversuchen in der Forschung

Bevor ein Medikament auf den Markt kommt, durchläuft es einen langjährigen Entwicklungsprozess. Dabei sind Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben, um den Menschen vor gesundheitlichen Gefahren zu schützen. Ein großer Teil der Fortschritte moderner Therapien wäre ohne Tierversuche unmöglich gewesen. Gleichzeitig besteht Einigkeit darüber, Tierversuche zu beschränken und zu ersetzen. Um neueste Trends in der Bewertung von Tierversuchen und in der Entwicklung von Alternativmethoden aufzuzeigen, hat das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) zum 12. Mal ein Symposium veranstaltet.

Emma Pietsch beim Vortrag

„Laboratory animal-free future – How we can make it better today“ – so lautete das Leitmotiv des diesjährigen Symposiums (11. April 2019). Das Besondere an der Veranstaltung ist die Verknüpfung aus Theorie und Praxis: Jedes Jahr stellen Master-Studierende der Ruhr Universität Bochum zunächst in Kurzvorträgen toxikologische in vitro Methoden vor, die als Alternativen zu Tierversuchen eingesetzt werden können. Das Wissen um die Methoden haben sich die Studierenden zuvor u.a. in einem Praktikum am IfADo angeeignet. Anschließend geben Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Industrie und Behörden Einblicke in aktuelle Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Toxikologie.

EU-Richtlinie zum Schutz von Versuchstieren und Tierschutzgesetz

Forschung an Tieren ist in Deutschland durch eine Vielzahl an Gesetzen und Verordnungen geregelt. So dürfen Tierversuche nur durchgeführt werden, wenn sie wissenschaftlich unerlässlich sind und der wissenschaftliche oder medizinische Nutzen im Gegensatz zu der Belastung der Versuchstiere höher ist. Das müssen Forschende in einem Antrag umfassend darlegen, wie Dr. Gerlinde von Dehn vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV NRW) in ihrem Vortrag erklärte. Eine Aufgabe des LANUV ist die Prüfung und Genehmigung von Tierversuchsanträgen.

Es fehlen jedoch bislang „wissenschaftlich begründete Parameter und Methoden, mit denen Belastungen wie Stress und Schmerz gemessen werden können, denen Tiere in einem Versuch ausgesetzt sind“, so Prof. André Bleich von der Medizinischen Hochschule Hannover. Bleich ist Teil eines DFG-Forschungsverbundes, dessen Ziel die Ableitung von objektiven Kriterien zur Belastungseinschätzung von Versuchstieren ist. Bleich ging in seinem Vortrag auf erste Ansätze zur evidenzbasierten Einschätzung von Belastungen im Tierversuch ein, die im Verbund erforscht werden: So untersuchen die Forschenden, ob das freiwillige Laufen im Laufrad von Mäusen, die verschiedenen Behandlungen unterzogen worden sind, ein Parameter sein kann, um die Belastung von Versuchstieren genauer bewerten zu können.

In einem anderen Forschungsverbund arbeitet Bleich zusammen mit Kollegen aus sieben Instituten daran, Tierversuche durch Alternativen wie stammzellbasierten Modellen zu reduzieren und zu ersetzen.

Pro-Test: „Ja zu Forschung & Wissenschaft – Nein zu Halbwahrheiten & Anfeindungen“

„Wir müssen über Tierversuche in der Forschung sprechen und wir müssen mehr darüber sprechen“, sagt Referentin Emma Pietsch. Die Biologin studiert im Master in Heidelberg und ist Teil von „Pro-Test-Deutschland“– einer Initiative von Forschenden, die sich für eine stärkere Kommunikation über die Rolle und Bedeutung von Tierversuchen in der Forschung engagiert. „Wissenschaftliche Einrichtungen tragen die Verantwortung Informationen über ihre Forschungsaktivitäten und Tierversuche mit der Gesellschaft zu teilen“, so Pietsch weiter. Die Studentin plädierte für eine offene, faire und faktenbasierte Debatte über Tierversuche.

Das Symposium zu Tierversuchen wird von Dr. Wolfram Föllmann, Tierschutzbeauftragter am IfADo, organisiert und findet gemeinsam mit der Fakultät für Chemie und Biochemie der Ruhr-Universität Bochum und der Bayer AG einmal jährlich statt.

Die Initiative „Tierversuche verstehen“ gibt einen umfassenden Einblick über den aktuellen Einsatz von Tierversuchen an Forschungseinrichtungen in Deutschland: