FAQ: Tierversuche

1. Welche Tierversuche finden am IfADo statt?

Am IfADo werden Tierversuche ausschließlich mit Mäusen und Ratten durchgeführt. Das IfADo hat Kapazitäten, um maximal ca. 750 Mäuse und 50 Ratten gleichzeitig zu halten. Im Jahr 2017 wurden insgesamt 4025 Mäuse und 94 Ratten in Tierversuchen am IfADo eingesetzt.

2. Warum finden Tierversuche am IfADo statt?

Ohne Tierversuche wären viele Fortschritte bei der Erforschung von Krankheiten und der Entwicklung von Medikamenten nicht möglich gewesen. Auch für das Erkennen toxischer Wirkungen von Chemikalien und die Ableitung von Grenzwerten zum Schutz von Arbeitnehmern sind Tierversuche von großer Bedeutung. Bestimmte Untersuchungen im Bereich der Toxikologie können jedoch auch an Zellkultursystemen durchgeführt werden. Ein wesentliches Anliegen des IfADo besteht daher darin, Alternativen zu Tierversuchen zu entwickeln. So werden am IfADo entwickelte Kultursysteme der Leber inzwischen weltweit eingesetzt. Hierdurch werden in toxikologischen Routineversuchen nicht nur Versuche an Ratten und Mäusen, sondern auch an Hunden, Schweinen und Affen ersetzt. In den 90er Jahren wurden viele Versuche noch am Tier durchgeführt, die heute durch die am IfADo entwickelten Kultursysteme ersetzt werden.

Aber noch sind nicht alle Tierversuche durch in vitro Systeme ersetzbar. Zum Beispiel für chronische Versuche, in welchen Tiere über 28 Tage, drei Monate oder länger eine Prüfsubstanz erhalten, sind noch keine zuverlässigen Alternativmethoden verfügbar. Auch Entwicklungstoxizität (Schädigung vor der Geburt) kann zurzeit noch nicht zuverlässig genug in der Kulturschale bewertet werden. Das IfADo arbeitet daher daran, Methoden zu entwickeln, sodass in Zukunft auch diese Versuche ersetzbar sind. Eine Schwierigkeit bei der Entwicklung von Kultursystemen besteht jedoch darin, dass Zellen in Kultur sich gegenüber Zellen in einem Organismus verändern. Dies kann zu falschen Schlussfolgerungen führen. Im schlimmsten Fall wird dann eine für den Menschen gefährliche Substanz fälschlich als harmlos eingestuft. Um dies zu verhindern, ist es für die Entwicklung von Alternativmethoden guter Qualität erforderlich, Ergebnisse des Kultursystems mit der Situation eines intakten Organismus zu vergleichen. Dies ist der Grund, warum man für die erfolgreiche Entwicklung von Alternativen zunächst auch noch vergleichende Tierversuche benötigt.

Um neueste Trends in der Bewertung von Tierversuchen und in der Entwicklung von Alternativmethoden aufzuzeigen, veranstaltet das IfADo schon seit elf Jahren ein Symposium, auf dem geladene Experten zu aktuellen Themen aus diesem Bereich vortragen und interessierten Besuchern damit aktuelle Informationen an die Hand geben. Für Studierende der Ruhr-Universität Bochum wird außerdem ein Laborpraktikum zu Alternativmethoden angeboten.

3. Wie sehen die rechtlichen Grundlagen für Tierversuche aus?

Forschung an Tieren ist in Deutschland durch eine Vielzahl an Gesetzen und Verordnungen geregelt. Zentral zu nennen sind das Tierschutzgesetz und die Tierschutz-Versuchstierverordnung. Tierversuche dürfen demnach nur durchgeführt werden, wenn sie wissenschaftlich unerlässlich sind, der wissenschaftliche oder medizinische Nutzen im Gegensatz zu der Belastung der Versuchstiere höher ist, die Durchführenden über ausreichende Qualifikation verfügen und bestimmte Haltungs- und Pflegebestimmungen eingehalten werden. Damit keine Versuche doppelt durchgeführt werden, muss recherchiert werden, ob der Versuch bereits an einer anderen Einrichtung stattgefunden hat. Alle diese Punkte müssen in einem umfangreichen Tierversuchsantrag dargelegt werden. Die zuständige Behörde prüft diesen dann auch mithilfe von externen Expertengremien. Erst bei Erfüllung aller Auflagen erteilt die Behörde eine Genehmigung zur Durchführung eines Versuchs.

4. Unter welchen Bedingungen werden die Tiere gehalten?

Selbstverständlich werden Tierversuche am IfADo nur nach Prüfung und Genehmigung durch die zuständigen Behörden (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, Recklinghausen) durchgeführt. Die Haltung der Tiere wird vom Veterinäramt der Stadt Dortmund regelmäßig überprüft. Wir legen viel Wert darauf, die Tiere unter möglichst guten Bedingungen zu halten. Zum Beispiel legen wir „Spielzeuge“ wie Röhren und Zellstoff zum Nestbau in die Käfige. Gefüttert werden die Tiere mit Pellets, deren Nährstoff- und Energiekonzentrationen speziell für diese Nagetiere entwickelt worden sind. Die Tiere bekommen so viel zu Essen und zu Trinken wie sie möchten. Zudem werden die benötigten Versuchstiere eigens zu Versuchszwecken gezüchtet und nicht der freien Wildbahn entnommen.

Wir bekennen uns als außeruniversitäres Forschungsinstitut, welches aus öffentlichen Mitteln gefördert wird, zu einem transparenten Umgang mit der Öffentlichkeit. Die Ergebnisse der Tierversuche des IfADo werden veröffentlicht (https://www.ifado.de/aktuelles-publikationen/publikationen/) und Zusammenfassungen sämtlicher Tierversuchsvorhaben aus Deutschland (inklusive der des IfADo) können unter www.animaltestinfo.de eingesehen werden. Bei Fragen zu unserer Tierhaltung können Sie sich gerne an uns wenden.

5. Wer ist Ansprechpartner für das Thema?

Dr. Wolfram Föllmann (Tierschutzbeauftragter), foellmann@ifado.de
Prof. Jan G. Hengstler (Versuchsleiter), hengstler@ifado.de
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, pressereferat@ifado.de

Die IfADo-FAQs (häufig gestellte Fragen) können Sie auch hier herunterladen (Stand: Juni 2018).

 

Weitere Informationen zum Thema Tierversuche im Allgemeinen finden Sie auch hier:

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