Book a Scientist

Datum/Zeit
Date(s) - 08/11/2022
Ganztägig


Das Speeddating mit der Wissenschaft

Wer nicht fragt, bleibt dumm – das wusste schon die Sesamstraße. Bei „Book a Scientist“ haben Sie die Chance, sich 25 Minuten lang mit einer Expertin oder einem Experten der Leibniz-Gemeinschaft auszutauschen und alles zu fragen, was Sie schon immer zu Ihrem Lieblingsthema wissen wollten.

Marie Beaupain: Wie hilft Dopamin unserem Gehirn beim Lernen?  

Dopamin spielt eine wichtige Rolle in grundlegenden Funktionen des menschlichen Gehirns, wie zum Beispiel Lernen, Bewegung oder Gedächtnis. Ein Ungleichgewicht an Dopamin spielt bei Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Schizophrenie eine große Rolle. Daher ist es wichtig, die grundlegenden Wirkmechanismen von Dopamin im Gehirn zu verstehen, um solche Krankheiten besser behandeln und passende Medikamente entwickeln zu können. Wir wissen aus vorheriger Forschung schon, dass Dopamin einen Einfluss auf die Neuroplastizität des Gehirns hat, das heißt, auf die Fähigkeit unseres Gehirns, sich bei Bedarf anzupassen, umzustrukturieren und neu zu organisieren. Ohne Neuroplastizität wären keine Lernprozesse möglich. Wir wissen außerdem, dass es für neuroplastische Prozesse eine Rolle spielt, in welcher Dosierung Dopamin vorliegt und an welchen Rezeptoren der Nervenzelle es bindet. Aber wie Dopamin die Mechanismen hinter Neuroplastizität genau beeinflusst, ist bisher unklar.

Dieser Frage gehe ich in meiner Promotion nach. Dafür nutze ich eine Methode aus dem Bereich der noninvasiven Hirnstimulation namens transkranielle Magnetstimulation. Mithilfe einer Magnetspule erlaubt diese Methode es, ganz gezielt Hirnareale von außen zu stimulieren, indem kurze elektrische Pulse durch die Schädeldecke ins Gehirn geleitet werden. Wenn man ein Hirnareal mithilfe eines festgelegten Stimulationsprotokolls lange und intensiv genug stimuliert, kann es zu kurzfristigen, plastischen Veränderungen im Gehirn kommen. Ich untersuche dann, wie Dopamin diese Veränderungen beeinflusst, also zum Beispiel verstärkt oder verlängert.

Leonie Fleige: Die Verknüpfung von Gehirn und Immunsystem: Hat Dopamin einen Einfluss auf chronische Autoimmunerkrankungen?

Wir alle sind dem Einfluss von Dopamin unterlegen – jederzeit: Wir beißen in ein leckeres Stück Apfelkuchen, gönnen uns den Urlaub, von dem wir schon monatelang träumen, oder bekommen ein Lob vom Chef… All diese Dinge haben etwas gemeinsam: die Ausschüttung von Dopamin im Gehirn. Aber was genau sind die Folgen?

Biochemisch gesehen ermöglicht Dopamin unter anderem die Kommunikation von Zellen im Gehirn und wird daher als Neurotransmitter bezeichnet. Es ist erstaunlich, wie viel dieser Botenstoff beeinflussen kann: unsere Gefühle, unsere Motivation und unsere Leistungsfähigkeit. Man könnte also sagen: unser ganzes Wesen wird unter anderem vom Dopaminlevel gelenkt. So wundert es nicht, dass auch Menschen mit Schizophrenie oder anderen psychischen Erkrankungen häufig veränderte Dopaminwerte aufweisen.

In meinem PhD Projekt arbeite ich im Fachbereich der Neuroimmunologie am IfADo. In unserem Team versuchen wir unter anderem die Zusammenhänge von Dopamin mit Krankheiten des Immunsystems zu verstehen. Dabei konzentrieren wir uns hauptsächlich auf rheumatische Erkrankungen, die unter den Begriff der chronischen Autoimmunerkrankungen fallen. Wir untersuchen, ob Dopamin das Krankheitsbild beeinflussen kann, und wir uns diese Erkenntnisse im Idealfall therapeutisch nutzen können.

Eine Anmeldung zum Gespräch ist ab dem 5. Oktober hier möglich: www.leibniz-gemeinschaft.de/bookascientist