Selektive Informationsverarbeitung

Leitende/r Wissenschaftler/in:

Daniel Schneider

MitarbeiterInnen: Laura-Isabelle Klatt, Marlene Rösner, Melinda Sabo

In vielen Situationen der heutigen Arbeitswelt sehen wir uns mit hohen Anforderungen an unsere Informationsverarbeitungsfähigkeiten konfrontiert. Beispielsweise erfordert die Steuerung eines Kraftfahrzeugs oder die Arbeit mit einem Computer die gleichzeitige Analyse einer Vielzahl perzeptueller Reize. Diesen hohen Anforderungen steht ein Verarbeitungssystem gegenüber, das in seiner Kapazität begrenzt ist. Im Bereich der visuell-räumlichen Informationsverarbeitung konnten bisherige Studien zeigen, dass nur 3-4 Informationseinheiten gleichzeitig im sogenannten Arbeitsgedächtnis zwischengespeichert werden können. Kognitionspsychologische Theorien beschreiben das Arbeitsgedächtnis als einen Mechanismus, der die aktive Aufrechterhaltung transienter Information für höhere kognitive Operationen ermöglicht. Deswegen ist die Repräsentation relevanter Information im Arbeitsgedächtnis eine Voraussetzung für die intentionale Interaktion mit unserer Umwelt.

Wir erforschen die neuralen Mechanismen, die die fortdauernde Repräsentation handlungsrelevanter Information im Arbeitsgedächtnis garantieren. An erster Stelle wird deswegen die Selektion perzeptueller Information (visuell und auditiv) untersucht. Aufmerksamkeit kann jedoch auch auf mentale Repräsentationen im Arbeitsgedächtnis gerichtet werden. Dies dient der Ausrichtung der Inhalte im Arbeitsgedächtnis zugunsten relevanter Information und ermöglicht die Anpassung des Verhaltens an eine dynamische Umwelt. Wir untersuchen in diesem Zusammenhang die neurokognitiven Mechanismen, die für die Neu-Organisation von Inhalten im Arbeitsgedächtnis verantwortlich sind. In einem weiteren Projekt (https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/441305356) wird darüber hinaus der Einfluss von kognitiven Kontrollprozessen auf den selektiven Abruf von Information aus dem episodischen Gedächtnis untersucht. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Forschung ist die Datenerhebung auf Basis des Elektroenzephalogramms (EEG) und der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT).

Aktuelle Publikationen

  • Getzmann, S., Klatt, L.I., Schneider, D., Begau, A., & Wascher, E. (2020). EEG correlates of spatial shifts of attention in a dynamic multi-talker speech perception scenario in younger and older adults. Hearing Research, 398. https://doi.org/10.1016/j.heares.2020.108077
  • Klatt, L.I., Schneider, D. Schubert, A.-L., Hanenberg, C., Lewald, J., Wascher, E., Getzmann, S. (2020). Unraveling the Relation between EEG Correlates of Attentional Orienting and Sound Localization Performance: A Diffusion Model Approach. Journal of Cognitive Neuroscience, 32, 5, 945-962. https://doi.org/10.1162/jocn_a_01525
  • Klatt, L.I., Getzmann, S., Begau, A., & Schneider, D. (2020). A dual mechanism underlying retroactive shifts of auditory spatial attention: dissociating target-and distractor-related modulations of alpha lateralization. Scientific Reports, 10(1). https://doi.org/10.1038/s41598-020-70004-2
  • Rösner, M., Arnau, S., Skiba, I., Wascher, E., & Schneider, D. (2020). The spatial orienting of the focus of attention in working memory makes use of inhibition: Evidence by hemispheric asymmetries in posterior alpha oscillations. Neuropsychologia, 107442. https://doi.org/10.1016/j.neuropsychologia.2020.107442
  • Schneider, D., Zickerick, B., Thönes, S., & Wascher, E. (2020). Encoding, storage, and response preparation—Distinct EEG correlates of stimulus and action representations in working memory. Psychophysiology, 57(6). https://doi.org/10.1111/psyp.13577