Vernetzungsgruppe Altern

Leitende/r Wissenschaftler/in:

PD Dr. Stephan Getzmann

Altern ist ein multifaktorielles Phänomen, das sich über die gesamte Lebensspanne erstreckt. Altersbegleitende Veränderungen in Sensorik, Motorik und Kognition sind jedoch nur die Endpunkte eines komplexen Prozesses, der durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst wird. Lebensstil, Arbeitsbedingungen, Stress, aber auch Krankheiten, Infektionen und Gene sind hier zu nennen. Eine wichtige Aufgabe der Alternsforschung ist es daher, die Wechselwirkungen dieser Faktoren und deren Veränderungen über die (Lebens-)Zeit aufzuklären.

Altern bedeutet nicht nur Verlust und Verschlechterung von Funktionen. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass diese Veränderungen – zumindest teilweise – durch effiziente Kompensationsstrategien, lebenslange Erfahrungen sowie Interventionsprogramme wie geistige oder körperliche Trainings kompensiert werden können. Die Aufdeckung der Potenziale von Kompensations- und Interventionsstrategien ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und seiner Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Zentrale Ziele der Vernetzungsgruppe Aging sind (a) das bessere Verständnis der Mechanismen des gesunden Alterns und (b) die Erforschung und Bewertung von Ansätzen zur Erhaltung von geistigen Fähigkeiten, Wohlbefinden und Arbeitsfähigkeit. Dabei haben wir drei Forschungsschwerpunkte, auditiv Wahrnehmen und Sprachverstehen, Mobilität im Alter und Lernen und Training.

Gesundes Altern: Determinanten und Wechselwirkungen

Wir untersuchen Veränderungen der kognitiven Funktionen bei Menschen mittleren und älteren Alters mit verhaltens- und neurophysiologischen Methoden, erfassen und modellieren das Zusammenspiel von endogenen und umweltbedingten Einflussfaktoren und deren Folgen für den Arbeitsplatz. Dabei nehmen wir eine entwicklungsorientierte Perspektive ein und betrachten sowohl längerfristige Zeiträume als auch bestimmte kritische Altersgruppen, in denen gravierende Veränderungen zu erwarten sind. Beispiele sind die Dortmunder Vital-Studie und das Projekt DoBoLSiS. Diese beiden Längsschnittprojekte am Menschen werden flankiert durch das Mice-to-Men Projekt, eine Verhaltensstudie zum Einfluss von endogenen und Umweltfaktoren.

Erhalt und Verbesserung von Wohlbefinden und Arbeitsfähigkeit

Neben dem Verständnis altersbedingter Prozesse ist die Frage, inwieweit gesundes Altern aktiv gefördert werden kann, von hohem wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Interesse. Beispiele für die Nutzung von Kompensationsstrategien werden in unseren Projekten zur audiovisuellen Sprachwahrnehmung und zur Nutzung audio-visueller VR Technologien bei der Mensch-Maschine-Interaktion untersucht. Technologiebasierte, menschenzentrierte Ansätze werden in Zukunft ältere Menschen immer mehr unterstützen. Die Entwicklung einer solchen Lösung steht im Mittelpunkt des Projekts sustAGE zur Verbesserung der Arbeitssicherheit, Produktivität und Gesundheit älterer Menschen.

Netzwerk-Aging

Das IfADo bietet ein breites Spektrum an Kompetenzen in der Alternsforschung, von der biochemischen und zellulären bis hin zur Verhaltensebene. Ein zentrales Ziel unserer Arbeit ist es, diese Forschungskompetenzen zu bündeln und Synergieeffekte in der Alternsforschung zu erzielen. Wir sind aktiv in der Leibniz-Forschungsallianz „Gesundes Altern“, einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Instituten der Leibniz-Gemeinschaft, auf regionaler Ebene beteiligen wir uns am Masterplan 2.0 der Stadt Dortmund im Kompetenzfeld „Demografischer Wandel“ und unterstützen die European Cognitive Aging Society (EUCAS).