Neues Forschungsprojekt zu Arbeitsunterbrechungen gestartet

26.01.2022

Das Telefon klingelt, ein Kollege klopft an der Tür und jede neue E-Mail kündigt sich mit Signalton an – dabei arbeitet man gerade hochkonzentriert an einem Text, der heute dringend noch raus muss. Arbeitsunterbrechungen sind neben Zeit- und Leistungsdruck einer der größten Stressfaktoren in modernen Arbeitsumgebungen. Dabei ist über die kognitiven Prozesse, die bei der Bewältigung von Arbeitsunterbrechungen eine Rolle spielen, bislang wenig bekannt. Diese stehen im Mittelpunkt des neuen geförderten DFG-Projekts „Untersuchungen zum Einfluss von Unterbrechungen auf Aufmerksamkeits- und Arbeitsgedächtnisleistungen bei jüngeren und älteren Erwachsenen mittels EEG-Methodik“, das kürzlich gestartet ist.

Foto: bruce mars/unspash.com

Arbeitsunterbrechungen sind gekennzeichnet durch eine kurzzeitige Unterbrechung einer primären Aufgabe, die durch eine externe Quelle verursacht wird und mit der Erledigung einer unerwarteten zweiten Aufgabe verbunden ist. Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeits­prozesse sind bei der Bewältigung von Unterbrechungen von besonderer Bedeutung. Gerade diese werden benötigt, um die ursprüngliche Aufgabe während der Unterbrechung im Gedächtnis zu behalten und sich nach der Unterbrechung wieder auf diese Aufgabe zu konzentrieren. Altersbegleitende Veränderungen in diesen kognitiven Funktionen könnten auch ein Grund dafür sein, warum ältere Beschäftigte mit Arbeitsunter­brechungen oft mehr Problem haben als jüngere.

Neurokognitive Mechanismen verstehen

Das jetzt gestartete Projekt untersucht die neurokognitiven Mechanismen, die bei der Bewältigung von Arbeitsunterbrechungen von Bedeutung sind. Dazu werden elektrophysiologischen Methoden eingesetzt. Ein Schwerpunkt liegt auf altersbedingten Unterschieden im Arbeitsgedächtnis und in der Aufmerksamkeitskontrolle. Daneben soll erforscht werden, welche Umgebungsbedingungen eine Rolle spielen, zum Beispiel inwieweit man sich mental auf Arbeitsunterbrechungen einstellen kann und ob kognitive Kontrollressourcen zur Bewältigung von Unterbrechungen präventiv eingesetzt werden können. Besonderes Augenmerk wird in dem Projekt auf realitätsnahe experimentelle Paradigmen gelegt, um eine Brücke zwischen kognitionstheoretischen Modellen und dem Arbeitsplatzbezug zu schlagen.


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