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Wearables im bewegten Arbeitsalltag: Entlastung oder Stress?

Wenn wir gleichzeitig gehen, hören und sehen, kann die Verarbeitung dieser Sinneseindrücke bewirken, dass unser Gehirn auf Hochtouren läuft. Wie ein Verkehrsknotenpunkt zur Stoßzeit koordiniert es unzählige Informationsströme, damit alles reibungslos funktioniert. Doch was passiert, wenn die „Verkehrsdichte“ steigt? Das Gehirn steht weiterhin vor der Aufgabe, verschiedene Aufgaben zuverlässig zu lösen – andernfalls kommt es zu Staus und Konflikten, die die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können.

Dr. Julian Reiser forscht am IfADo in der Abteilung Ergonomie.

Dr. Julian Elias Reiser, wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Gruppen „Experimentelle Ergonomie“ und „Stress & Arbeitsgestaltung“ am IfADo, hat in einer Studie untersucht, wie Menschen auditive und visuelle Informationen während der Bewegung verarbeiten – und ob die Sinne dabei miteinander konkurrieren. Eine Frage, die in einer zunehmend komplexen Arbeitswelt immer wichtiger wird.

IfADo: Vor welchen neuen Herausforderungen steht unser Gehirn denn am Arbeitsplatz?

Dr. Julian Elias Reiser: Durch neue Technologien steigt in der Berufswelt die Menge an Informationen, die wir täglich verarbeiten. In Bereichen wie Logistik oder Montage kommen inzwischen Datenbrillen oder In-Ear-Kopfhörer zum Einsatz, um z. B. Lagerbestände oder Anleitungen direkt zu übermitteln, anstatt die herkömmliche Papierliste zu benutzen. Das spart Zeit und erhöht die Produktivität, bedeutet aber auch mehr Belastung fürs Gehirn. Wir müssen uns gleichzeitig bewegen und auf akustische oder visuelle Hinweise reagieren. In unserer Studie wollten wir herausfinden, ob sich visuelle und auditive Signale unterschiedlich stark auf die Aufmerksamkeit beim Gehen auswirken – und ob es messbare Leistungseinbußen gibt.

IfADo: Wie seid ihr vorgegangen?

Dr. Julian Elias Reiser: Unsere Probanden lösten Denkaufgaben – abwechselnd im Stehen und beim ungestörten oder beeinträchtigten Gehen auf dem Laufband (Ganglabor GRAIL). Zwischendurch sollten sie die Aufgabe wechseln, angekündigt durch eine visuelle oder akustische Anweisung. Die Gehirnaktivität maßen wir währenddessen mit einem EEG. Dabei zeigte sich: Beim Gehen fiel das Lösen der Aufgaben oft schwerer. Außerdem spielte die Art der Hinweispräsentation beim Aufgabenwechsel eine entscheidende Rolle.

IfADo: Wie erklärt ihr euch das?

Dr. Julian Elias Reiser: Wenn die Hinweise über Töne gegeben wurden, konnten viele Probanden bei einfachen Aufgaben schneller reagieren. Bei schwierigeren Aufgaben oder beim Gehen funktionierte es jedoch besser, wenn die Informationen sichtbar angezeigt wurden. Der visuelle Reiz verbesserte sogar die Leistung. Das könnte daran liegen, dass das Gehirn die Hörinformation erst in eine visuelle Form „übersetzen“ muss, bevor es richtig darauf reagieren kann. Wir wissen, dass das Gehirn Aufmerksamkeit über verschiedene Sinne unterschiedlich steuert, was während des Laufens anscheinend noch verstärkt wird. Probleme zwischen Denken und Bewegung entstanden also nicht allein durch Anstrengung beim Gehen, sondern weil sich die Verarbeitung der Information anscheinend grundlegend geändert hat.

IfADo: Was kann das für die Gestaltung von Arbeitsplätzen bedeuten?

Dr. Julian Elias Reiser: Visuelle Reize scheinen bei schwierigen Aufgaben und gleichzeitiger Bewegung einfacher verarbeitet werden zu können. Das ist vor allem für das Arbeiten bei komplexeren Bewegungsaufgaben relevant. Bezogen auf unseren Arbeitsplatz bedeutet das, dass die Darstellung der Informationen auf den jeweiligen Arbeitskontext angepasst werden sollte. Bei komplexen Bewegungsabläufen eignen sich zum Beispiel Bildschirmanweisungen auf einer Datenbrille. Leuchtsignale an Lagerplätzen oder Hinweise mit Bodenprojektionen könnten ebenfalls eine gute Wahl sein. Akustische Warnungen oder Anweisungen sind gut für Situationen, in denen Personen überwiegend stillstehen oder einfache Reaktionen zeigen müssen. Bei komplexeren oder schnellen Bewegungen können sie aber zu Verzögerungen führen.

Originalpublikation:
Reiser, J. E., Rinkenauer G., Arnau S., Chuang, L. Wascher E., 2025. How do humans process audiovisual cues for Task-Switching while walking? Psychophysiology. 62: e70122.
Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Julian Elias Reiser
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Ardeystrasse 67 Dortmund Nordrhein-Westfalen DE 44139
Presse Kontakt:
Saskia Schlesinger
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ardeystrasse 67 Dortmund Nordrhein-Westfalen DE 44139

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