Nachvollziehbarkeit und Verlässlichkeit: Qualitätsstandards für Daten in der Nanosicherheit

FIZ Karlsruhe startet zusammen mit Forschungspartnern aus der Leibniz-Gemeinschaft das Projekt “NanoS-QM”. Ziel ist es, Qualitätsstandards für Forschungsdaten im Bereich der Nanosicherheit zu entwickeln. So werden die Grundlagen für eine verbesserte Risikobewertung und damit sichere Anwendung von Nanopartikeln geschaffen. Toxikologen und Neurowissenschaftler des IfADo sind Teil des Projektes.

Nanopartikel finden sich heutzutage in nahezu allen Arbeits- und Lebensbereichen. Sie machen Touchscreens leitfähig, erhöhen die Speicherfähigkeit von Batterien, verbessern die Verträglichkeit von Medikamenten und machen Bauteile leichter und stabiler. Durch die verstärkte Nutzung kommen immer mehr Menschen mit ihnen in Berührung. Mit 1 bis 100 Nanometern (1nm = 10^-9m = 0,000000001m) haben Nanopartikel ähnliche Größen wie manche Viren oder medizinische Wirkstoffmoleküle. Deshalb drängen sich wichtige Fragen auf: Welchen Einfluss haben Nanopartikel auf die Reaktionen in menschlichen Zellen? Welche Eigenschaften müssen sie aufweisen, um sicher zu sein? Und wie gelingt es am besten, die wissenschaftlichen Daten dazu nutzbar und vergleichbar zu machen?

Eine sichere Herstellung und Anwendung hat demnach große gesellschaftliche Bedeutung. Zum Einsatz von Nanopartikeln wird zwar umfangreich geforscht. Doch basieren die Zulassungsempfehlungen für immer zahlreichere Anwendungen auf zumeist wenig nachvollziehbaren Daten.

Mit dem im August gestarteten Projekt “NanoS-QM” fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Entwicklung übergreifender Beschreibungsstandards und verlässlicher Qualitätskriterien für Daten in der Nanosicherheitsforschung – und darüber hinaus in der industriellen Anwendung. Dies betrifft beispielsweise die Materialerzeugung oder Materialeigenschaften. Ein weiteres Thema sind die Wirkmechanismen von Nanomaterialien in biologischen Systemen.

Nachvollziehbare Forschungsdaten für sichere Anwendungen

Valide Forschungsdaten sind die Basis abgesicherter Zulassungsempfehlungen. Ihre multidisziplinäre Nutzung soll helfen, die Anwendung von Nanopartikeln besser zu regulieren, damit deren Vorzüge möglichst risikoarm zur Geltung kommen.

Aus diesem Grund kommen im Forschungsprojekt die Partner des Verbundprojekts aus verschiedensten Bereichen: Materialwissenschaften, Gesundheit und Toxikologie, Pneumologie, Arbeitssicherheit, Informationsinfrastruktur und Wissensvermittlung. Es sind das Leibniz Institut für Werkstofforientierte Technologien (IWT), das Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung an der Heinrich-Heine-Universität (IUF), das INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien und das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo). Im Rahmen von NanoS-QM erarbeitet das IfADo Anforderungen und Qualitätsstandards für Forschungsdaten um (a) die Interaktion von Nanomaterialen mit biologischen Systemen, z. B. Nervenzellen exakt und nachvollziehbar beschreiben zu können, und (b) Experimente zur Toxizität von Nanomaterialien optimal an die Anforderungen regulatorischer Gremien anzupassen.

Das Forschungsprojekt läuft noch bis zum 31. Juli 2021. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Projektkoordinatorin, FIZ Karlsruhe, unter www.fiz-karlsruhe.de/de/forschung/nanos-qm sowie auf der Website des Leibniz-Forschungsverbunds „Nanosicherheit“: www.leibniz-gemeinschaft.de/forschung/leibniz-forschungsverbuende/nanosicherheit.

Quelle sowie Ansprechpersonen: Pressemitteilung FIZ Karlsruhe

Wissenschaftlicher Ansprechpartner IfADo:
PD Dr. Christoph van Thriel
Leiter der IfADo-Forschungsgruppe “Neurotoxikologie und Chemosensorik”
Telefon: + 49 231 1084 407
E-Mail: thriel@ifado.de