Das Institut für Arbeitsphysiologie (IfADo)
stand nach der Begutachtung durch den wissenschaftlichen Beirat vor bedeutsamen
Fragestellungen: Wie lässt sich die Forschungstätigkeit des Instituts
intern bewerten? Wie werden wir besser und effektiver? Wie können wir unserem
Forschungsauftrag gegenwärtig und zukünftig gerecht werden? Wie können
wir mit dem schnellen Wandel der Bedingungen in der Arbeitswelt Schritt halten
und flexibel reagieren?
Das IfADo will diese Fragen künftig u. a.
mit dem Managementsystem PPM (Partizipatives Produktivitäts-Management)
beantworten. Die in der Industrie weitgehend etablierten modernen Betriebsführungs-
und Managementtechniken zur Steigerung von Effektivität und Effizienz sollen
nun Einzug in die Wissenschaft halten. Das PPM wurde modifiziert und auf das
Institut zugeschnitten, dabei konnte auch auf eigene Forschungsarbeiten zurückgegriffen
werden.
Das von den Dortmunder Wissenschaftlern PD Dr. Klaus-Helmut Schmidt, IfADo,
und Prof. Dr. Uwe Kleinbeck, Uni Do, Anfang der 90er Jahre aus dem amerikanischen
Managementsystem PROMES entwickelte deutsche PPM-System hat sich weltweit als
ein sehr erfolgreiches Managementinstrument zur Steigerung von Motivation und
Qualität erwiesen. Mit PPM entwickeln Arbeitsgruppen und einzelne Mitarbeiter
eigenverantwortlich selbst definierte Leistungs- und Rückmeldungskriterien.
Als Leistungskriterien werden nur solche definiert, die von der Arbeitsgruppe
oder dem einzelnen Mitarbeiter selbst zu beeinflussen sind.
Sind Managementsysteme bei der Bewertung von Wissenschaft einsetzbar und ist
Forschungstätigkeit messbar? Sind verschiedene wissenschaftliche Institutionen
mit unterschiedlicher Zielsetzung und Aufgabenstellung in ihren Erfolgen zu
vergleichen? Die verschiedenen Fachdisziplinen haben traditionell bedingt wenig
Vergleichskriterien; die Ziele von Grundlagenforschung und anwendungsorientierter
Forschung sind schwerlich gegeneinander zu bewerten. Der wissenschaftliche Auftrag
des IfADo bewegt sich im Spannungsfeld eines
sehr breiten Spektrums verschiedener Fachdisziplinen und beinhaltet gleichzeitig
Aufgaben in der Grundlagen- als auch der anwendungsorientierten Forschung.
Das IfADo, als Fachinstitut zu Fragestellungen
in der Arbeitswelt, hat das PPM-System in eigener Sache genutzt, um die zu bewältigenden
vielfältigen Aufgaben arbeitsphysiologischer Forschung zu definieren und
Schwerpunkte für das Institut als Ganzes festzulegen. Das PPM wurde in
Zusammenarbeit mit der Universität Dortmund unter Einbeziehung von Wissenschaftlern
aus allen beteiligten Fachgebieten des IfADo
modifiziert und speziell auf den wissenschaftlichen Betrieb zugeschnitten. Der
Grundgedanke des "neuen PPM" ist, dass das Institut Bewertungskriterien zur
Betrachtung und Fortschreibung der Arbeitsleistung entwickelt; z. B. festzustellen,
ob und wie gut wissenschaftliche Fragestellungen gelöst wurden. Das neue
PPM-System hat zum Ziel, die Prioritätensetzung, das Ineinandergreifen
und Aufeinander-Aufbauen der Forschungprojekte in den verschiedenen Disziplinen
fortschreitend zu effektivieren und die interdisziplinäre Zusammenarbeit
zu erleichtern.
Das PPM enthält u. a. ein Punktesystem, das Arbeitsergebnisse im gesamten
Aufgabenbereich des Instituts umfasst (z. B. wissenschaftliche Vorträge
und Veröffentlichungen, praktische Umsetzung von Forschungsergebnissen,
prototypische Lösungen, akademische Lehre, Ausarbeitung von Grenzwerten,
Normen und Regeln). Die Auswertung erfolgt nicht auf die Leistung des einzelnen
Mitarbeiters, sondern auf das gesamte Institut bezogen. Sie ist Grundlage für
die institutsinterne Bewertung von Projektbündeln und Einzelprojekten.
Mit dem "neuen PPM" des IfADo ist es möglich
geworden, Arbeitsleistungen auch im wissenschaftlichen Bereich vergleich- und
messbar zu machen. Es gleicht historisch begründete unterschiedliche Forschungstraditionen
verschiedener Disziplinen aus und fördert und vereinfacht damit interdisziplinäre
und dynamische Herangehensweisen. (Das
IfADo-PPM: ein Ansatz zur Messung und Bewertung
der Leistungen von Forschungseinrichtungen)
Ansprechpartner:
Priv.-Doz.
Dr. K.-H. Schmidt
(Tel.: 0231/1084-327)