1967
begann erneut eine entscheidende Phase der inhaltlichen Umorientierung, die
die Umwidmung und Umbenennung des Max-Planck-Instituts für Arbeitsphysiologie
in das Max-Planck-Institut für Systemphysiologie (heute: Max-Planck-Institut
für molekulare Physiologie) zur Folge hatte. Joseph Rutenfranz schlug
damals in einem Memorandum die Neugründung eines arbeitsphysiologischen
Instituts in Dortmund unter Eingliederung eines Kerns der arbeitsphysiologischen
Gruppen des Max-Planck-Instituts vor. Dies führte dann zur Gründung
der Forschungsgesellschaft für Arbeitsphysiologie und Arbeitsschutz e.V.
als Träger eines neuen Instituts. Gründungsmitglieder waren das Land
Nordrhein-Westfalen, die Max-Planck-Gesellschaft, die Universität Dortmund
sowie die Stadt Dortmund, außerdem die Industrie- und Handelskammer zu
Dortmund, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft
und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Von Anfang
an war eine Anbindung des neuen Instituts an die Universität
Dortmund vorgesehen. Am 20. Mai 1970 wurde der Grundstein für das neue
Institutsgebäude gelegt, das auf einem ehemaligen Zechengebiet an der Ardeystraße
errichtet und 1976 bezogen wurde.
1977 änderte sich die Grundlage der Finanzierung des IfADo.
Mit der Aufnahme in die "Blaue Liste" (ab 1997 Leibniz-Gemeinschaft)
verteilt sich die Grundfinanzierung zu gleichen Teilen auf den Bund und auf
das Land Nordrhein-Westfalen.
1987 erhielt das Institut eine besondere internationale Anerkennung durch die
World Health Organisation (WHO)
als "Collaborating Centre for Occupational Health".
Der Aufbau des IfADo war zunächst eng an dem Memorandum von Joseph Rutenfranz
orientiert: 1971 und 1972 entstanden zwei Abteilungen mit umweltphysiologischen
und arbeitspsychologischen Schwerpunkten. 1976 und 1977 folgten eine ergonomische
und eine sinnesphysiologische Abteilung. Im Jahre 1978 schließlich wurde
- abweichend vom ursprünglich geplanten energetischen Schwerpunkt
- die Abteilung für Toxikologie und Arbeitsmedizin eingerichtet.
In diesem interdisziplinären Kanon der 5 Abteilungen entwickelten sich
allmählich die heute vorzufindenden Forschungsschwerpunkte, die kontinuierlich
fortentwickelt werden. Ein wesentlicher Schritt dahin war eine Umstrukturierung
im Jahre 1997. Dabei wurden die fachspezifischen Abteilungen durch eine themenorientierte
Projektstruktur abgelöst, und ein institutsübergreifendes System der
Leistungserfassung und - beurteilung wurde eingerichtet. Die ungewöhnliche
Organisationsstruktur des IfADo, die nicht den etablierten Grenzen akademischer
Fächer folgt, ist ein wesentlicher Faktor für die Steigerung der wissenschaftlichen
Leistungsfähigkeit trotz schrumpfender Zahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
des Instituts.
Das Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund kann - unter Einbeziehung der Vorgängerinstitute - auf eine fast 100jährige Geschichte zurückblicken. Durch die Geschichte hindurch zieht sich die unabhängige und international angesehene Erforschung der menschlichen Arbeit auf einer physiologischen Basis. In dieser Zeit hat sich in dem Spannungsfeld zwischen Anwendung und Grundlagenforschung fast alles verändert - und zwar in dem Maße, in dem sich die menschliche Arbeit und die einschlägigen Lebens- und Verhaltenswissenschaften verändert haben. Wissenschaftliche Flexibilität bei hoher Sensibilität für die Entwicklungen in Wissenschaft und Arbeitswelt ist somit ein zentrales Merkmal der Tradition des IfADo.
75 Jahre Arbeitsphysiologie in Dortmund
Vom pharmakologischen Arbeitsversuch zur Verhaltenstoxikologie
Gunther Lehmanns Disput zur Bestimmung des Herzschlagvolumens des Menschen mit Äthyljodid
Lärmwirkungsforschung am MPI für Arbeitsphysiologie und am IfADo
Geschichte des Max-Planck-Instituts für Arbeitsphysiologie
75 Jahre Arbeitsphysiologie in Dortmund: Perspektiven für die Zukunft