09.12.2008Ulla Burchardt besuchte das IfADo
Beeindruckt zeigte sich Ulla Burchardt, Vorsitzende des Bildungs- und Forschungsausschuss im Bundestag, als sie sich am Dienstag, dem 09.12.08, am Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund (IfADo) über den Stand der Forschung informierte. Das Institut hat in den letzten Jahren neue Forschungsfelder erschlossen. "Die Fördergelder vom Bund in Höhe von knapp 2,5 Mio. Euro sind hier gut angelegt. So kann der Forschungsstandort Dortmund nachhaltig gestärkt werden", resümierte die Dortmunder Wahlkreisabgeordnete, nachdem sie bei einem Rundgang durch das Institut die Arbeitsgruppen von Prof. Hengstler und Prof. Wascher besichtigt hatte. Die beiden Professoren sind erst seit wenigen Jahren in Dortmund und gestalten neue Schwerpunkte der Arbeitsforschung.
Folgende Ergebnisse aus den Arbeitsgebieten wurden vorgestellt:
Ergonomie, Prof. Edmund Wascher
Die Fähigkeit des Menschen, Informationen zu verarbeiten, verändert
sich über die Lebensspanne - ein Thema, das am IfADo intensiv erforscht
wird. Das Spektrum der Forschung reicht hierbei von den beteiligten Hirnmechanismen
bis hin zu spezifischen Arbeitsplatzlösungen für die Aufrechterhaltung
der Leistungsfähigkeit während eines Arbeitslebens.
Im Fokus stehen z.B. die internen und externen Bedingungen, die diese Veränderungen
beeinflussen. Mentales Training spielt hierbei eine zentrale Rolle. So stellten
IfADo-Mitarbeiter fest, dass ältere Fließbandarbeiter schlechtere
Leistungen im Arbeitsgedächtnis zeigen als Instandhalter, deren tägliche
Arbeit geistig abwechslungsreicher ist. Andere kognitive Funktionen, wie beispielsweise
der Wechsel zwischen Aufgaben, waren in dieser Untersuchung hingegen nicht altersbedingt
verändert.
Information schlechter zu verarbeiten heißt aber nicht unbedingt, auch
im Alltag und bei der Arbeit schlechter zu handeln. Grundsätzlich sind
ältere Menschen oft in der Lage, aufgrund ihrer Erfahrung und durch Nutzung
bestimmter Strategien (z.B. Verlangsamung) elementare Defizite auszugleichen.
Erst wenn die Anforderungen zu hoch werden (z.B. unter hohem Zeitdruck), kann
dieses Kompensationssystem Defizite nicht mehr ausgleichen, wie IfADo-Wissenschaftler
an Fahrsimulationsstudien gezeigt haben.
In Bereichen, in denen interne Kompensationsstrategien nicht mehr greifen (z.B.
bei der Alterssichtigkeit und bei bestimmten kognitiven Funktionen), erarbeitet
das IfADo Möglichkeiten, Altersdefizite zum Einen durch verschiedene Trainingsmaßnahmen,
zum Anderen durch technische Innovationen zu kompensieren. Hilfreiche Technik
kann aber auch auf Dauer zu Leistungseinbußen führen. So zeigen junge
Menschen, die nicht mehr so viel handschriftlich niederlegen, in bestimmten
feinmotorischen Aufgaben schlechtere Leistungen als ältere Menschen.
Toxikologie, Prof. Jan Hengstler
In dem neuen europäischen Chemikaliengesetz (REACH) wurde festgelegt,
dass etwa 30.000 Altsubstanzen nach neuen Kriterien toxikologisch evaluiert
werden müssen. Dieses prinzipiell sinnvolle, aber sehr ehrgeizige Vorhaben
überfordert die zurzeit vorhandenen toxikologischen Prüfkapazitäten
bei weitem. Daher hat Prof. Hengstler zusammen mit den toxikologisch arbeitenden
Gruppen am IfADo ein neues Verfahren entwickelt, mit denen ein giftiges Potential
von Substanzen genauer, preisgünstiger und - für die Industrie
besonders wichtig - schneller als bisher erkannt werden kann. Dieses Verfahren
beruht darauf, dass in einer einzigen Analyse die Expression aller etwa 22.000
Gene erfasst werden kann. Veränderungen dieses komplexen Genexpressionsmusters
durch Chemikalien lassen Rückschlüsse auf giftige Wirkungen und ihre
Mechanismen zu. Das Prinzip dieser Technik konnte im Rahmen eines von Prof.
Hengstler geleiteten BMBF-Projekts bereits an Brusttumoren gezeigt werden (publiziert
in: Schmidt et al., Cancer Res. 2008,68:5405-13). Es konnte gezeigt werden,
dass bestimmte Genexpressionsmuster vorhersagen, wie aggressiv der Tumor wachsen
wird und auf welche Medikamente er besser bzw. schlechter anspricht.
Blasenkarzinome werden zum Teil durch berufliche Belastung gegenüber krebserzeugenden
Substanzen verursacht, doch nur ein sehr kleiner Teil dieser Patienten erhält
eine Entschädigung, weil nur schwer zu beweisen ist, ob der Blasenkrebs
einer bestimmten Person wirklich durch die berufliche Belastung oder "spontan"
entstanden ist. Kürzlich wurden in einer großen populationsbasierten
Studie unter Mitarbeit des IfADo Hinweise gefunden,
dass genomweite Untersuchungen bestimmter Muster unseres Erbmaterials (so genannte
single nucleotide polymorphisms, SNPs) die Unterscheidung zwischen beruflich
verursachtem und spontanem Blasenkrebs ermöglichen (Kiemeney et al., Nat
Genet. 2008, 40:1307-12). Diese Befunde müssen zunächst noch an einer
weiteren Kohorte validiert werden und könnten dann vielen Krebspatienten
zu einer Berufsunfähigkeitsrente verhelfen.

Ulla Burchardt ließ sich von Prof. Edmund Wascher (li.) und Dr. Wolfgang
Jaschinski (re.) erläutern,
welche Bildschirmposition am besten für Gleitsichtbrillenträger
geeignet ist.
Kontakt:
Dr. rer. nat. Dietmar Gude,