Umwelttoxikologie in NRW
Symposium bringt Arbeitsphysiologie, Umweltmedizin und Statistik zusammen
Die gute Nachricht: Die Umweltbelastung mit ihren Folgen für die menschliche
Gesundheit nimmt in Nordrhein-Westfalen seit den 1980er Jahren ab. Dioxinkonzentrationen
in der Muttermilch haben sich in den letzten zwanzig Jahren halbiert, weil die
Industrie Verbrennungsprozesse optimiert hat und Filteranlagen einsetzt. Die
Bleibelastung ist nach Einführung des bleifreien Benzins so weit zurückgegangen,
dass sie heute praktisch keine Rolle mehr spielt, obwohl noch in den Achtzigern
Einflüsse auf die Intelligenzentwicklung von Kindern festgestellt wurden.
Diese Ergebnisse präsentierte u.a. Prof. Michael Wilhelm von der Abteilung
für Hygiene, Sozial- und Umweltmedizin der Ruhr-Universität Bochum
auf dem Symposium zum Thema "Umwelttoxikologie in Nordrhein-Westfalen",
das am Donnerstag und Freitag in Dortmund vom Institut für Arbeitsphysiologie
(IfADo), der Universität Dortmund und der
Ruhr-Universität Bochum veranstaltet wurde.
Soweit die guten nachrichten. Die Schlechten kann Prof. Hermann Bolt, Direktor
des IfADo, nicht verschweigen: "Die Sachlage
wird immer komplexer." Bei der Beurteilung der Belastung muss neben der
Umwelt und dem Arbeitsplatz eine Vielzahl weiterer Faktoren beachtet werden.
Der Lifestyle, z.B. das Rauchen, beeinflusst die individuelle Schadstoffbelastung
ebenso wie die Ernährung, ganz besonders aber das soziale Umfeld und die
Wohnumstände schlagen sich nieder. Hinzu kommen neu erkannte Gefahrenquellen,
wie die Feinstaubbelastung. Heute weiß man, dass die individuelle Empfindlichkeit,
z.B. gegen Stoffe im Tabakrauch, sehr unterschiedlich ist. Diese lässt
sich im Erbmaterial ablesen. Solche genetischen Untersuchungen produzieren allerdings
riesige Datenmengen, wie sie Prof. Jan G. Hengstler, Toxikologie-Professor an
der Uni Dortmund und dem IfADo, aus seiner eigenen
Forschung kennt. Datenmengen, die sich nur mithilfe komplizierter Rechenverfahren
auswerten lassen - was wiederum die Statistiker auf den Plan ruft. Deshalb gehörte
auch Prof. Katja Ickstadt vom Fachbereich Statistik der Uni Dortmund mit zum
Organisationskomitee der Tagung.
Außerdem beschäftigten sich die Wissenschaftler mit neuen Krankheitsbildern
wie der multiplen chemischen Sensitivität, einem Krankheitszustand, bei
dem die Betroffenen schon auf den Geruch von Chemikalien, wie sie in Parfums
beispielsweise vorkommen, mit massiven körperlichen Krankheitssymptomen
reagieren können. Die interdisziplinäre Ausrichtung des Symposiums,
das mit Toxikologen, Statistikern und Medizinern besetzt war, ermöglichte
einen umfassenden Überblick auf die neue, komplexe Lage der Umwelttoxikologie,
wie sie sich in NRW heute darstellt.
Kontakt IfADo:
Um ein Belegexemplar wird gebeten!