Nachtschicht im Biergarten
IfADo beteiligt sich an Pilotstudie über Schichtarbeit in der Gastronomie
Bei schönem Wetter abends lange im Biergarten sitzen - was für die einen eine herrliche Sommerfreude bedeutet, heißt für die anderen späte Arbeitszeiten. Solche Spätschichten sind für das Gastronomie-Personal im Sommer häufiger als im Winter, da im Gaststättengewerbe nachfrageorientiert gearbeitet wird. Aber - sind wechselnde und späte Schichten für jeden Menschen gleich problematisch? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Team um Professorin Barbara Griefahn vom Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund (IfADo).
Der
Mensch ist tagaktiv. Viele Körperfunktionen, wie z.B. auch der Schlaf,
werden über ein komplexes Hormonsystem gesteuert, welches wiederum durch
das Tageslicht reguliert wird. Welche Folgen es hat, wenn der Tagesrhythmus
nicht mehr mit dem Körperrhythmus übereinstimmt, kennt jeder, der
schon mal nachts gearbeitet hat oder nach Langstreckenflügen unter einem
"Jet-Lag" zu leiden hatte: Der Schlaf ist gestört, weil die
"innere Uhr" zur Schlafenszeit auf Aktivität gestellt ist.
Folgen sind Müdigkeit und Konzentrationsstörungen, die Leistungsfähigkeit
nimmt ab. Nach einigen Tagen gewöhnt sich der Körper an die neue Zeit,
die Rhythmen synchronisieren sich wieder. Manche Menschen gewöhnen sich
schneller und leichter an Umstellungen im Tagesrhythmus als andere. Einen wichtigen
Einfluss auf diese Anpassungsfähigkeit hat der Chronotyp, also die Tatsache,
ob man eher ein Morgen- oder Abendmensch ist.
In einem von der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten
initiierten Gemeinschaftsprojekt untersuchte die Firma Thumedi GmbH an 20 Gastronomie-Betrieben
in Berlin und am Bodensee, in welchen häufig irregulären und kurzfristig
wechselnden Schichten das Personal in Küche, Service und sonstigen Aufgaben
im Gaststättengewerbe arbeitet. Die Abteilung Arbeitswissenschaft des Instituts
für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion der Uni Karlsruhe
sammelte unter Leitung von Professor Peter Knauth persönliche Daten der
befragten 154 Beschäftigten und wertete Angaben zum Schlafverhalten, zur
Gesundheit und der Zufriedenheit mit den Arbeitszeiten aus. Professorin Barbara
Griefahn vom IfADo und ihr Team untersuchen diese
Daten auf einen Zusammenhang mit den Chronotypen.
Morgenmenschen
gehen früh zu Bett und stehen früh auf; sie haben ein rigides Schlafverhalten
und können ein spätes Einschlafen nicht durch längeres Schlafen
ausgleichen - was Abendtypen durchaus können. Entsprechend fanden
sich in der Gruppe derer, die vorwiegend Nachtschichten bevorzugten, überproportional
viele Abendtypen. Morgentypen arbeiteten ihrem Schlafverhalten entsprechend
lieber in frühen Schichten oder im Tagesdienst. Unterschiede zwischen Männern
und Frauen oder den Bereichen Service, Küche und anderen Tätigkeiten
stellten sich nicht heraus. Ebenso wenig scheinen Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Beschwerden
mit dem Chronotyp zusammenzuhängen. Aber: Mit zunehmendem Alter nahm die
Morgenorientierung der Beschäftigten zu, d.h., dass auch ältere Menschen
versuchen, die Nachtarbeit zu vermeiden. Nach diesen neuen Ergebnissen erscheint
es sinnvoll, den Chronotyp der Mitarbeiter in die Gestaltung des Schichtplans
mit einzubeziehen. Dabei sollte aber auch die Motivation der Beschäftigten
berücksichtigt werden. Hoch motivierte Morgentypen werden durchaus in der
Lage sein, die Nachtarbeit 'wegzustecken'. Damit auch am späten Abend die
Bedienung im Biergarten noch ebenso fit ist wie die Gäste.
Wer seinen eigenen Chronotyp herausfinden will, kann dies hier im Internet erfahren.
Kontakt: Prof. Barbara Griefahn, 0231-1084-221 (222),
Kontakt IfADo:
Dr. rer. nat. Dietmar Gude,
, 0231-1084-303
Um ein Belegexemplar wird gebeten!