Potenziale altersgemischter Arbeitsteams richtig nutzen

Potenziale altersgemischter Arbeitsteams richtig nutzen: Wie das Potenzial altersgemischter Arbeitsteams in mittelständischen Unternehmen optimal ausgeschöpft werden kann, haben Forscherinnen und Forscher vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung in Kooperation mit Hochschulpartnern und mittelständischen Unternehmen nun untersucht.Wer im Berufsleben älter als 55 Jahre ist, hat oft nicht nur mit ersten Alterserscheinungen sondern auch mit Vorurteilen seitens der Kollegen zu kämpfen. Das erschwert den Austausch von neuen Ideen und Erfahrungswissen zwischen Jung und Alt. Wie das Potenzial altersgemischter Arbeitsteams in mittelständischen Unternehmen optimal ausgeschöpft werden kann, haben Forscherinnen und Forscher vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung in Kooperation mit Hochschulpartnern und mittelständischen Unternehmen nun untersucht.

„Innovationsfähigkeit und Kreativität von altersgemischten Teams in mittleren Unternehmen stärken und fördern“ ist das Ziel des Projekts INNOKAT. Forscherinnen und Forscher des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung, der Ruhr-Universität Bochum und der RWTH Aachen konzipierten, erprobten und evaluierten in Kooperation mit zwei mittelständischen Unternehmen verschiedene Trainings- und Entwicklungsmaßnahmen.

„Ältere Mitarbeiter gelten häufig als langsamer, stressanfälliger und wenig begeisterungsfähig für neue Arbeitsprozesse. Teilweise sind das jedoch Vorurteile, die gerade, wenn sie in der Führungsebene vorherrschen, negative Auswirkungen auf das Arbeitsklima haben können. Den tatsächlich auftretenden Alterserscheinungen kann man außerdem oft schon mithilfe einfacher Trainings und anderer Maßnahmen entgegenwirken“, erklärt Kristina Küper, Projektkoordinatorin am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, die Ausgangslage des Projekts. „Die von uns entwickelten Maßnahmen setzen deshalb an drei verschiedenen Arbeitsebenen an: bei den einzelnen Beschäftigten, altersgemischten Teams und den Führungskräften.“

Kognitives Training und Stressmanagement als Basis für Innovation

Auf der Ebene der einzelnen Mitarbeiter zeigten vor allem kognitive Trainings und ein effektiver Umgang mit Stress Wirkung. Bei älteren Beschäftigten steigt die stressbedingte Erschöpfung nachweislich an, was sich durch Trainingsmaßnahmen zum Umgang mit Stress jedoch mindern lässt. Solche Trainings wirken zudem bei jüngeren Beschäftigten präventiv. Im Projekt erwiesen sich auch kognitive Trainings des Kurzzeitgedächtnisses für alle Altersgruppen als hilfreich. Diese Trainings verbessern nicht nur das Kurz- und Langzeitgedächtnis, sondern vermindern auch die Ablenkbarkeit deutlich und erleichtern so das schnelle und zielorientierte Handeln der Mitarbeiter.

Teambuilding: Partizipation ist der Schlüssel

Die Teamebene hat in Unternehmen maßgeblichen Einfluss auf den Innovationserfolg. Die Forscherinnen und Forscher stellten fest, dass auf dieser Arbeitsebene der Schlüssel zum Erfolg Partizipation heißt. Werden die Angestellten bei der Zielsetzung und der Bestimmung von Kriterien zur Leistungsbewertung beteiligt, ist sowohl die Identifikation mit dem Team höher als auch die Motivation im Team größer, was zu einem positiveren Teamklima beiträgt. Dadurch wird die Produktivität des Teams insgesamt gesteigert. Die Forschenden haben für dieses so genannte partizipative Innovationsmanagement (PIM) ein Softwaretool entwickelt, das ein selbstgesteuertes Management von teambasierten Innovationsprojekten ermöglicht.

Der richtige Führungsstil bringt Jung und Alt auf einen Nenner

Auch die Art zu Führen trägt dazu bei, altersgemischte Teams zu harmonisieren und auf ein Ziel einzuschwören. Dabei müssen Führungskräfte häufig zunächst für das Potenzial älterer Arbeitnehmer sensibilisiert werden. Erst wenn Altersvorurteile aus dem Weg geräumt sind, kann die Effektivität von altersgemischten Arbeitsteams erhöht werden. Speziell der Führungsstil „Servant Leadership“, bei dem die Führungskraft sich als Dienstleister des Unternehmens versteht und einen besonderen Fokus auf die Interessen der Mitarbeiter setzt, wirkte sich im Projekt positiv auf die Leistungs- und Innovationsfähigkeit aus. In Führungskräftetrainings und anschließenden Coachings wurde erarbeitet, wie ältere aber auch jüngere Mitarbeiter motiviert werden können und wie Entwicklungspotenziale bei einzelnen Mitarbeitern aufgedeckt und gefördert werden können.

Wissenstransfer: Praktische Trainings für Unternehmer

Die Ergebnisse aus drei Jahren Projektarbeit werden nun in einem Workshop am 8. und 9. Oktober 2015 im Silbersaal der Westfalenhallen Dortmund GmbH präsentiert. Die Teilnahme ist kostenlos und richtet sich mit einem innovativen Trainingsangebot insbesondere an mittelständische Unternehmen, die an wirksamen und praxistauglichen Lösungskonzepten für die Herausforderungen des demografischen Wandels interessiert sind. Mehr Informationen unter: www.innokat-projekt.de

Kontakt:
Dr. Kristina Küper
Projektkoordinatorin INNOKAT
Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund
Tel.: +49 (0) 231 1084-291

Über das Projekt INNOKAT

Das Projekt ist Teil des Forschungsschwerpunkts „Innovationsfähigkeit im demografischen Wandel“ und wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Als betriebliche Partner sind zudem zwei mittelgroße Unternehmen aus der Rhein-Ruhr-Region eingebunden, die ABC-Logistik GmbH und die Deutschen Gasrußwerke. Eine enge Kooperation zwischen betrieblichen Partnern und den beteiligten Forschungseinrichtungen ermöglicht dabei die Entwicklung von innovationsfördernden Maßnahmen, die nicht nur wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, sondern auch in hohem Maße praxistauglich sind.