Individuelle Seheigenschaften gewinnen für die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung zunehmend an Bedeutung. Ein wichtiger Faktor, der hierbei zu beachten ist, ist die Fixationsdisparität, die die Exaktheit der Einstellung des Konvergenzwinkels zwischen den Sehachsen beider Augen beschreibt. Es werden Messverfahren besprochen, mit denen festgestellt werden kann, ob eine Person im Vergleich zum Mittel der Population eine Fixationsdisparität aufweist. Methodische Limitierungen der verfügbaren Verfahren, besonders unter Aspekten einer praxisgerechten Anwendung, werden hinterfragt. Am IfADo wurden in den letzten Jahren Methodenentwicklungen vorangetrieben, um die hier sichtbaren Lücken zu schließen. Auf der Grundlage gewöhnlicher kommerzieller PC-Hardware entstand daraus das Sehprüfsystem eye-test PC.
In Band 1 der Serie „Arbeitsphysiologie heute“ wurde über visuelle Ermüdung am Bildschirmarbeitsplatz und die Bedeutung individueller Aspekte von Sehabstand und Blickneigungswinkel berichtet (Jaschinski 1999). Es wurde erläutert, dass bestimmte individuelle Seheigenschaften für die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes wichtig sein können. Dabei spielt die Koordination der beiden Augen eine wichtige Rolle, insbesondere die Fixationsdisparität. Sie beschreibt die Genauigkeit des Konvergenzwinkels zwischen den Sehachsen der beiden Augen. Nachfolgend wird beschrieben, dass Messungen der Fixationsdisparität bei verschiedenen Sehabständen nicht nur ergonomisch begründet sind, sondern darüber hinaus ein vorteilhaftes Messverfahren für das beidäugige Sehvermögen darstellen und somit bisherige klinische Diagnoseverfahren sinnvoll ergänzen können. Verschiedene Varianten von subjektiven Fixationsdisparitäts-Tests mit haploskopischen Noniuslinien werden vorgestellt, darunter ein computer-gesteuertes Messverfahren (der eye-test PC) zur Messung unter Sehbedingungen eines Computer-Arbeitsplatzes. Andere Vergenzmessgrößen und klinisch übliche Vergenztests werden vergleichsweise diskutiert.