Die meisten traditionellen Sehtests für die beidäugige Koordination
(u.a. für die Fixationsdisparität) untersuchen die Augen in einer
statischen Sehsituation ohne Bewegung des Sehreizes. Wir erweitern diesen konventionellen
Ansatz in zwei Aspekten:
- Bei visueller Arbeit betrachtet man fast nie einen statischen Sehreiz für
längere Zeit, vielmehr sind die Augen ständig in Bewegung. Die Augen
vollziehen Blicksprünge (Sakkaden), wenn man am Bildschirm von einem
Sehziel zum anderen blickt oder beim Lesen von einem Wort zum nächsten.
Beim Lesen verweilen die Augen auf einem Wort nur für kurze Zeit von
etwa 0,2 Sekunden. Wir messen die Koordination beider Augen während dieser
schnellen Augenbewegungsvorgänge.
- Der Sehabstand zwischen Augen und Sehziel ist nie auf Dauer konstant, vielmehr
variiert der Sehabstand ständig, z. B. durch Kopfbewegungen oder durch
Blickwechsel zu Objekten bei verschiedenen Sehabständen . Dies erfordert
eine ständige Einstellung des Winkels zwischen den Sehachsen beider Augen,
d. h. dem Vergenzwinkel. Wir untersuchen diese dynamischen Vergenzwinkeländerungen,
als Reaktion auf Änderungen der Disparität oder des Sehabstands.
In den beschriebenen dynamischen Sehbedingungen vermessen wir die Bewegungen
der Augen mit dem EyeLink II System und analysieren die beidäugige Koordination
in Hinblick auf individuell typische Augenbewegungsmuster.
Jainta S, Hoormann J, Jaschinski W: Objective and subjective measures of vergence
step responses.Vision Res 47: 3238-3246 (2007)