
Für die Untersuchung der involvierten Mechanismen setzen wir Zell- und Maussysteme ein, in denen mittels konditionaler Expressionskonstrukte die Transkription von Onkogenen an oder ausgeschaltet werden kann. Dies sind gute Voraussetzungen für die Untersuchung der hierdurch hervorgerufenen Veränderungen des Phänotyps und die hierfür verantwortlichen Veränderungen im Signaltransduktionsnetzwerk.

Wichtig bei der Untersuchung tumorrelevanter Mechanismen in vitro ist, dass die in Zellkultur erhaltenen Befunde validiert werden. Dies kann im Maussystem und an menschlichem Tumormaterial erfolgen. Zu diesem Zweck haben wir zusammen mit unseren Kooperationspartnern Dr. Marcus Schmidt (Universitätsmedizin Mainz) und Dr. Matthias Gehrmann (Siemens Medical Solutions) eine Tumordatenbank aufgebaut, in der uns Affymetrix Genexpressionsdaten und ein vollständiges klinisches follow-up von 766 Patientinnen mit nodal-negativen Mammakarzinomen zur Verfügung stehen. Dies ist auch im Sinne der Aufgabenstellung des IfADo relevant, da bekannt wurde, dass Schichtarbeit einen Risikofaktor für Estrogen-abhängige Tumore wie das Mammakarzinom darstellen kann.
Abb.
3: Beispiel der Validierung einer Hypothese in unserer Kohorte mit nodal-negativen
Mammakarzinomen (insgesamt: n=766). Da die Gesamtkohorte drei unabhängigen
Subkohorten entstammt, kann überprüft werden, ob in jeder einzelnen
Subkohorte ein ähnliches Ergebnis erzielt wird. Im vorgestellten Beispiel
wird gezeigt, dass ein von uns neu beschriebenes B-Zell Metagen in allen drei
Subkohorten in ähnlicher Weise mit besserer Prognose assoziiert ist (Schmidt
et al., 2008). Dies bedeutet, dass Patientinnen mit ausgeprägter Infiltration
von B-Zellen in ihren Tumoren ein geringeres Risiko haben, an einer Metastase
zu erkranken.
Es ist seit langem bekannt, dass das Risiko an einem Tumor zu erkranken sowohl von der Exposition und Lebensbedingungen als auch von der genetischen Prädisposition abhängt. Einen Beitrag zur genetischen Prädisposition wiederum leisten Polymorphismen und Kopiennummervariationen. Durch die Verfügbarkeit von Chips zur Erfassung von Einzelnukleotidpolymorphismen (SNP) und Kopiennummervariationen ist deren Erfassung inzwischen nahezu genomweit möglich. Durch Mitarbeit unserer Zentralen Einrichtung für Arbeitsmedizin an einer internationalen Studie (Kiemeney et al., 2008) und durch eine Studie an eigenem Patientenmaterial (Golka et al., 2009) wurde die Bedeutung eines neuen c-myc nahen SNPs erkannt, der mit erhöhtem Risiko für Harnblasenkrebs einhergeht. Da wir für die von uns gesammelten Fälle und Kontrollen die berufliche Exposition gegenüber Harnblasenkarzinogenen systematisch erfassen, konnten wir erste Hinweise erarbeiten, dass aufgrund von SNPs möglicherweise eine Differenzierung von Karzinomen mit versus ohne berufliche Exposition möglich sein könnte. Dies wäre für die oft umstrittene Anerkennung von individuellen Harnblasenkarzinom-Erkrankungen als Berufskrankheit von Bedeutung. Durch genomweite Chip-Analysen und den Aufbau großer Validierungkohorten (mehr als 2000 Fälle und Kontrollen) versuchen wir den Einfluß von SNPs und Koopennummervariationen im Zusammenspiel mit beruflicher Exposition gegenüber Karzinogenen genomweit zu erfassen.
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