Hintergrund:
Im Bereich der akuten Wirkungen durch chemische Arbeitsstoffe dominieren heutzutage Reizwirkungen, vermittelt über den N. Trigeminus, und Geruchsbelästigungen, vermittelt über den N. Olfaktorius, das Effektspektrum. Diese chemosensorischen Effekte sind von unterschiedlicher gesundheitlicher Relevanz und nur eine differenzierte Betrachtung ermöglicht für die Gruppe der lokalen Reizstoffe eine adäquate Grenzwertsetzung. Geruchsempfindungen sind transiente Effekte, die physiologischen Anpassungseffekten unterliegen (Adaptation) und bis zu einem gewissen Ausmaß keine gesundheitlichen Konsequenzen besitzen. Reizerscheinungen hingegen, vor allem wenn sie von psychophysiologischen Indikatoren indiziert werden, geben Hinweise auf pathophysiologische Prozesse an den Schleimhäuten der oberen Atemwege und der Augen.
Forschungsfragen:
(a) Wie kann auf Ebene von Einzelsubstanzen die olfaktorische und trigeminale Potenz lokaler Reizstoffe differenzierend erfasst und adäquat beschrieben werden?
(b) Wie lassen sich olfaktorische und trigeminale Effekte durch lokale Reizstoffe auf den Ebenen Verhalten, Erleben und Physiologie differenziert erfassen?
(c) Interferiert die chemosensorische Informationsverarbeitung bei akuten Reizstoffexpositionen mit anderen kognitiven Funktionen und welche Wirkmechanismen gibt es?
Aktuelle Projekte:
Das Projekt ?Abgrenzung und Differenzierung 'irritativer' und 'belästigender' Effekte von Gefahrstoffen?, das gemeinsam mit einem regionalem Kooperationspartner (IPA; bis zum 20.11.09 BGFA) bearbeitet wird, hat einen integrativen Ansatz zur Bewertung von lokalen Reizstoffen entwickelt. Nachdem Experimente zu chemosensorischen Effekte für zunächst vier lokale Reizstoffe (Ethylacetat, Cyclohexylamin, Essig- und Propionsäure) durchgeführt wurden, werden aktuell die lokalen Reizstoffe Acetaldehyd (abgeschlossen) und Ethylacrylat untersucht. Während bei Acetaldehyd durch die Verwendung konstanter Expositionsstufen die Benchmark Dose Methode zur Risikoabschätzung eingesetzt werden kann, werden bei Ethylacrylat auch Expositionsspitzen im Verlauf einer vierstündigen Exposition eingesetzt, um auch Effekte von Konzentrationsveränderungen zu untersuchen.
Die Ergebnisse der Studien zu Essig- und Propionsäure sind bereits in die nationale Grenzwertsetzung eingeflossen.