Hintergrund:
An vielen Arbeitsplätzen werden Arbeitsstoffe verwendet, die bei entsprechender Dosis neurotoxische Wirkungen haben können. Diese Wirkungen auf Strukturen des zentralen und peripheren Nervensystems sind im Humanbereich mit neuropsychologischen Verfahren als Verhaltenseffekte messbar. Angemessene Arbeitsplatzgrenzwerte sollen vor derartigen Effekten schützen und so zum Erhalt und zur Förderung von Leistung, Gesundheit und Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Im Projektbereich Verhaltenstoxikologie versuchen wir durch eigene epidemiologische Studien und durch die Aggregation existierender Studien zu Metaanalysen wissenschaftliche Beitrage zur Grenzwertsetzung zu liefern.
Forschungsfragen:
(a) Wie können die komplexen Effekte durch Messungen auf den Ebenen Verhalten, Erleben und Physiologie präzise erfasst werden?
(b) Welche Expositionsparameter (Luft- und Biomonitoring) sind für die Modellierung möglicher Dosis-Wirkungsbeziehungen geeignet?
(c) Wie können durch komplexe Modellierungen spezifische Arbeitsstoffeffekte von moderierenden Faktoren abgegrenzt werden (Confounding)?
(d) Können durch die kombinierte Betrachtung neurotoxischer Schädigungsmechanismen und neurowissenschaftlicher Modelle kognitiver Funktionen vulnerable Funktionsbereiche identifiziert werden?
Aktuelle Projekte:
Im Projekt Neurotoxizität von Aluminium wird in Kooperation mit verschiedenen Partnern aus Industrie, Berufsgenossenschaften und arbeitsmedizinischen Instituten an zwei epidemiologischen Längsschnittsstudien zu neurotoxischen Effekten durch berufliche Expositionen gegenüber Aluminium mitgearbeitet. Die bisherigen Ergebnisse der Studien lassen, bei Einhaltung des allgemeinen Staubgrenzwertes (1,5 mg/m3 A- bzw. 4 mg/m3 E-Staub), keine Minderungen kognitiver Leistungen exponierter Arbeiter erkennen. Detaillierte Ergebnisse über diese verhaltenstoxischen Studien wurden bereits publiziert (Literatur).
Im Projekt verhaltenstoxische Metaanalysen werden im Augenblick Zusammenfassungen von Studien zu möglichen neurotoxischen Wirkungen von Mangan durchgeführt. Die langjährige berufliche Exposition gegenüber Mangan scheint danach sowohl mit Defiziten im Aufmerksamkeitsbereich, als auch mit motorischen Defiziten assoziiert zu sein. Detaillierte Dosis-Wirkungsbeziehungen konnten auf Grund unzureichender Informationen in den Originalarbeiten nicht ermittelt werden. Daher wird angestrebt, die Orginaldaten der Studien in einer gepoolten Studie zusammen zu fassen und zu publizieren.