Transformationen: Lernen und Leistung
Die Praxismodelle der Projektgruppe im Bereich der mikroinvasiven Chirurgie legen die Untersuchung bestimmter Arten von Transformationen nahe. Bei endoskopischen Eingriffen ist zum einen die Richtung der Instrumentenspitze der Richtung der Handbewegung entgegengesetzt - das ist der "Drehpunkt-Effekt" oder "fulcrum effect". Darüber hinaus ist aber auch die Verstärkung variabel, also das Verhältnis von Weite der Bewegung der Spitze und Weite der Bewegung der Hand. Sie ist umso größer, je weiter das Instrument durch die Körperöffnung eingeführt wird. Die Anpassung an solche kontinuierlich variablen Transformationen ist bisher nicht systematisch untersucht. Eine genauere Analyse von Bewegungen mit einem Hebel, der durch den Drehpunkt verschoben werden kann, wirft eine Reihe weiterer Fragen auf, etwa nach dem bei der Bewegungssteuerung genutzten Bezugssystem. Diese Frage stellt sich vor allem deshalb, weil der verschiebbare Hebel als Implementierung eines Polarkoordinatensystems betrachtet werden kann, dessen Pol nicht in der Startposition einer Bewegung liegt und auch nicht egozentrisch lokalisiert ist (z. B. in der Schulter oder zwischen den Augen), sondern im Drehpunkt.
Die Praxismodelle legen auch die Untersuchung einer zweiten Klasse von Transformationen nahe, die bisher kaum untersucht wurden. Die auf dem Bildschirm gezeigte Bewegung eines Werkzeugs (z. B. der Spitze eines chirurgischen Instruments bei einem laparoskopischen Eingriff) kann aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen sein. Dadurch entstehen Verzerrungen, d. h., nichtlineare Transformationen. Unveröffentlichten Ergebnissen nach scheinen gelernte nichtlineare Transformationen instabil zu sein und sich spontan in Richtung linearer Transformationen zu verändern.