Projektbereich "Aufmerksamkeit in 3D-Raum"
Eine zentrale Frage in der Kognitionspsychologie ist, wie trotz der begrenzten Ressourcen der menschlichen Verarbeitungssysteme aus der enormen Menge sich ständig ändernder Informationen unserer Umwelt relevante Information erkannt und verarbeitet werden kann. Als Lösung dieses Problems werden Aufmerksamkeitsmechanismen gesehen. Diese Mechanismen erlauben es, die begrenzten Ressourcen so zu koordinieren, dass diese auf wichtige Informationen gelenkt und dafür unwichtigere Informationen vernachlässigt werden können.
Alle bisher vorgeschlagenen Mechanismen zur visuell-räumlichen Aufmerksamkeit basieren auf Untersuchungen in der frontoparallelen Ebene und beachten daher einen wichtigen Aspekt unserer visuellen Umgebung nicht: die Tiefe. Unser Aufmerksamkeitssystem ist aber offensichtlich nicht nur für die frontoparallele Ebene ausgelegt, sondern vor allem für die räumliche Tiefe. Trotzdem die Ausrichtung von Aufmerksamkeit für zweidimensionale Untersuchungsanordnungen sehr gut untersucht wurde, ist aufgrund des heutigen Standes der Forschung nicht klar, inwieweit die Erkenntnisse über zweidimensionale Aufmerksamkeitsmechanismen auf die Tiefe und somit den dreidimensionalen Raum generalisiert werden können.
Ein zentraler Forschungsschwerpunkt der Projektgruppe "Moderne Mensch-Maschine-Systeme" ist es daher zu untersuchen, ob Aufmerksamkeitsprozesse in der Tiefe mit den bisher vorgeschlagenen Mechanismen räumlicher Aufmerksamkeit vergleichbar sind, oder ob hier eine Erweiterung der bisherigen Aufmerksamkeitsmodelle erforderlich ist. Ein besseres Verständnis der Aufmerksamkeit im gesamten dreidimensionalen Raum ist aber nicht nur ein wichtiges Anliegen der Grundlagen-forschung, sondern auch von zentraler Bedeutung für die Entwicklung und Gestaltung von modernen Mensch-Maschine-Schnittstellen. Moderne Formen dieser Schnittstellen zielen immer mehr auf die Unterstützung von räumlichen Wahrnehmungs- und Handlungsprozessen ab, daher ist es dringend erforderlich, den Entwicklern dieser Systeme Gestaltungsrichtlinien in die Hand geben zu können, die auf tragfähigen theoretischen Konzepten basieren.
Ausgewählte Publikationen: