Bei Nachtarbeit wird der Schlaf-Wach-Rhythmus um ca. 8 bis 9 Stunden verschoben. Dieser Verzögerung folgen die einzelnen physiologischen Rhythmen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und Amplitude. Die vollständige Anpassung (Resynchronisation der physiologischen Rhythmen mit dem willkürlich verschobenen Schlaf-Wach Rhythmus) ist bei einigen Personen möglich und beansprucht dann ca. 1 Tag pro verschobener Stunde. Vielen, insbesondere morgenorientierten Personen, ist diese Anpassung nicht möglich; ihre physiologischen Rhythmen bleiben während der gesamten Nachtarbeitsperiode dissoziiert. Diese bei jedem Wechsel in die Nachtarbeit auftretende Dissoziation physiologischen Funktionen steht in Verdacht, letztlich zur Entwicklung bestimmter, insbesondere kardiovaskulärer Erkrankungen beizutragen.
Ein zentrales Anliegen des Projektbereiches ist daher die Beschleunigung der Anpassung an Nachtarbeit durch Behandlung mit moderat erhöhten Beleuchtungsstärken am Arbeitsplatz im Allgemeinen sowie die Frage, ob und unter welchen Bedingungen eine solche Behandlung auch bei Personen mit bekannter Intoleranz gegenüber Nachtarbeit wirksam ist bzw. inwieweit deren Intoleranz endogen bedingt ist oder aus der Interaktion zwischen individueller Phasenlage, Arbeitszeit und Beleuchtung am Arbeitsplatz resultiert.
Als Indikatoren der Anpassung werden vor allem die zeitlichen Parameter der ausgeprägt tagesperiodisch produzierten Hormone Melatonin und Cortisol registriert. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Lichtbehandlung selbst bei Morgentypen mit bekannter Intoleranz gegenüber Nachtarbeit eine deutliche, wenn auch geringere Anpassung als bei Neutral- und Abendtypen bewirkt, wobei allerdings einer Verkürzung der Cortisolruhephase und eine Neigung zu insgesamt vermehrter Cortisolproduktion sowie eine stärkere Dissoziation der physiologischen Rhythmen als bei anderen Chronotypen beobachtet wurdet. Die daraus abgeleitete Hypothese, wonach das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen bei regelmäßig Nachtarbeit leistenden Morgentypen erhöht ist, wird nun in einer vertiefenden Studie zu erhärten versucht.