
Gesundheitliche Risiken durch Chemikalien werden anhand von Daten zur Art der Wirkung, dem Wirkmodus und der Potenz (Dosis-Wirkungs-Beziehung) beurteilt, die in Relation zur Exposition gesetzt wird. Die Projektgruppe führt zu diesen Aspekten experimentelle Studien mit ausgewählten Gefahrstoffen durch; sie arbeitet an verbesserten Methoden zur Expositionsermittlung (Biomonitoring) und zur Aufdeckung von Schadeffekten sowie Konzepten zu deren toxikologischer Bewertung.
Wissenschaftliche Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen
Aktuelle Forschung
In Forschungsvorhaben mit einem konkreten Stoffbezug werden experimentelle Studien zu Dosis-Wirkungs-Beziehungen und/oder zur Aufklärung von Wirkungsmechanismen durchgeführt. Beispiele sind Projekte zu Gefahrstoffen mit krebserzeugender, gentoxischer oder hormoneller Wirkung wie Arsen und Cadmium, Industriechemikalien, Mykotoxinen und Steroiden. Dabei reicht das Spektrum der eingesetzten Methoden von reduktionistischen Ansätzen wie Zellkulturmodellen bis hin zu tierexperimentellen Studien. Chemikalienrisiken werden maßgeblich von der Exposition bestimmt; daher werden in Biomonitoring-Projekten reale Belastungen beim Menschen ermittelt, derzeit für das Mykotoxin Ochratoxin A und für Phyto-/Xenoöstrogene. An der Verbesserung von Methoden zur Aufdeckung gefährlicher Chemikalienwirkungen wird gemeinsam mit weiteren Projektgruppen und Zentralen Einrichtungen des IfADo in der Forschungsinitiative "UroTox" gearbeitet.
Projektbereich
"Wirkungsanalysen für Einzelstoffe und Gemische"
(Claudia Behm, Gisela H. Degen, Wolfram Föllmann, Nicola Höfer)
Die Frage, ob Schäden am Erbgut die Folge direkter oder indirekt gentoxischer
Effekte sind, wird zunehmend als bewertungsrelevant angesehen. Die Thematik
wird in experimentellen Untersuchungen für ausgewählte Mykotoxine
und deren Gemische mit weiteren Schadstoffen (Arsen) bearbeitet, ferner
für anabole Steroide, die im Doping eingesetzt werden.
Eine andere Frage, zu der Forschungsbedarf besteht, betrifft so genannte
"Endokrine Disruptoren" (Stoffe mit hormoneller Aktivität):
Für östrogenartig wirkende Chemikalien sind Studien zur biologischen
Wirksamkeit von Kombinationen geplant (Kooperation mit Prof.
Dr. P. Diel, DSHS Köln). Ein Dissertationsprojekt zu Cadmium soll
klären helfen, inwieweit die östrogenartigen Wirkungen oder die
bekannten nephrotoxischen Wirkungen für eine toxikologische Bewertung
dieses Gefahrstoffs heranzuziehen sind.
Projektbereich
"Expositionsermittlung"
(Gisela H. Degen, Katherine Munoz - in Kooperation mit ZE
Analytische Chemie)
Eine chemisch-analytische Methode zum empfindlichen Nachweis und zur Quantifizierung
von Isoflavon-Phytoöstrogenen und von Bisphenol A in Urinproben ist
optimiert und validiert worden. Diese Biomonitoring-Methode wird im Rahmen
eines Drittmittel-geförderten Projekts (CEFIC-LRI) eingesetzt, um die
Exposition gegenüber diesen Stoffen bei Kindern zu ermitteln (Kooperation
mit dem Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE,
Dortmund)).
In einem Dissertationsprojekt sollen Ochratoxin A (OTA)-Expositionen, insbesondere
frühe Mykotoxin-Belastungen, bei Kleinkindern in Chile und Deutschland
ermittelt werden (Kooperation mit der Universität Conception, Chile).
Das von DAAD/CONICYT geförderte Projekt kann auf publizierte Biomonitoring-Methoden
für OTA aufbauen, beinhaltet aber auch methodische Entwicklungen zur
Erfassung von Metaboliten.
Projektbereich
"Methodenentwicklungen"
(Claudia Behm, Gisela H. Degen, Wolfram Föllmann, Jan G. Hengstler)
Die Etablierung und Charakterisierung von Urothelzellkulturen dient der
Verbessung von Tierversuchs-Ersatzmethoden zur Aufdeckung gefährlicher
Chemikalienwirkungen am Zielorgan Harnblase. Hier sind aber noch methodische
Entwicklungen nötig, z. B. zur Erfassung von Schadensprofilen nach
Chemikalienbehandlung und verfeinerte Techniken, um Abläufe auch auf
Einzelzellniveau zu verfolgen und auszuwerten. Diese Aspekte werden am IfADo
im Rahmen der Forschungsinitiative
"UroTox" bearbeitet.
Projektbereich
"Bewertungsfragen – Risikoevaluierung"
(Hermann M. Bolt, Gisela H. Degen)
Studien zu ausgewählten Gefahrstoffen greifen wissenschaftliche Grundsatzfragen
zur Grenzwertsetzung für krebserzeugende Chemikalien am Arbeitsplatz
auf oder stehen in engem Zusammenhang mit Fragestellungen regulatorischer
Gremien (AGS, MAK, SCOEL) zur Einstufung und Kennzeichnung dieser Stoffe.
International publizierte Arbeiten der Projektgruppe behandeln für
wichtige Industriechemikalien (z. B. Acrylamid, Acrylnitril, Ethylenoxid,
Formaldehyd, Trichlorethylen, Vinylacetat und Vinylchlorid) stoffbezogene
und wissenschaftliche Grundfragen der Risikoevaluierung (s. u. ausgewählte
Publikationen). Arbeiten auf diesem Feld sind auch in regulatorischen Gremien
anerkannt und tragen somit dem Anwendungsbezug Rechnung.
Experimentelle Möglichkeiten

Aktuelle Drittmittel
Kooperationspartner/Vernetzung
Abgeschlossene Projekte (in Auswahl)
Publikationen (aktuelle Auswahl)