Als Ursachen für Muskel-Skelett-Beschwerden werden neben körperlicher Arbeit auch psychische Arbeitsbelastungen (mit Einflussfaktoren wie Monotonie, Zeitdruck, geringer Handlungsspielraum sowie geringe soziale Unterstützung bei der Arbeit), Persönlichkeitsfaktoren, psychosoziale Faktoren sowie außerberufliche Risikofaktoren [6] diskutiert. Bisher vorliegende Befunde zeigen eine überadditive Kombinationswirkung von physischen und psychischen Belastungsfaktoren, wie Zeitdruck und Aufgabenkomplexität, auf Muskel-Skelett-Beschwerden [1]. Diese Wirkungen werden zudem durch Kontroll- und Einflussspielräume bei der Arbeit moderiert. In Übereinstimmung mit den Annahmen des Demands-Control-Modells von Karasek [5] nehmen bei geringen körperlichen Belastungen die Wirkungen der psychischen Belastungen auf die Beschwerden mit zunehmenden Kontroll- und Einflussspielräumen ab.
Untersuchungen zum Zusammenwirken psychosozialer und muskulärer Faktoren im Bereich der stationären Altenhilfe zeigen, dass psychosomatische und muskuloskelettale Beschwerden gemeinsam zur Varianzaufklärung von Fehlzeiten und Fluktuationsneigung beitragen [7]. Zur Durchführung derartiger Untersuchungen zum Einfluss psychischer und physischer Belastungen wurden spezielle Verfahren zur Erfassung der mechanischen Belastung entwickelt, die auch bei größeren Personengruppen angewendet werden können [4].
Auf Grundlage früherer Felderhebungen innerhalb der Dortmunder Lumbalbelastungsstudie [2] wurden individuelle Strategien zur Bewältigung von Ermüdung während der Arbeitsschicht bei verschiedenartigen körperlichen Belastungen untersucht. Die Ergebnisse zeigen eine Abnahme der kumulierten Belastung in Verlauf der Arbeitsschicht; dies wurde als Indikator einer individuellen Strategie zur Reduzierung kumulativer Ermüdungseffekte interpretiert [3].
[1] Hollmann S, Heuer H, Schmidt K-H (2001). Control at work: a generalized resource factor for the prevention of musculoskeletal symptoms? Work & Stress 15: 29-39.
[2] Jäger M, Jordan C, Luttmann A, Laurig W, DOLLY Group (2000). Evaluation and assessment of lumbar load during total shifts for occupational manual materials handling jobs within the Dortmund Lumbar Load Study - DOLLY. Int J Industr Ergon 25: 553-571.
[3] Jordan C (2005). Ermüdungsbedingte Veränderungen von Körperhaltung und kumulativer Wirbelsäulenbelastung in Felduntersuchungen. Aachen: Shaker [zugl.: Univ. Dortmund, Fak. Humanwiss. u. Theol., Diss., 2004].Karasek RA, Theorell T (1990). Healthy work: stress, productivity, and the reconstruction of working life. New York: Basic Books.
[4] Klimmer F, Kylian H, Schmidt K-H, Jordan C, Luttmann A, Jäger M (2005). Erfassung von muskuloskelettaler Belastung und Beanspruchung bei großen Stichproben mit unterschiedlich belastenden Tätigkeiten - ein Methodenvergleich. Z Arbeitswiss 59: 1-12.
[5] Karasek RA, Theorell T (1990). Healthy work: stress, productivity, and the reconstruction of working life. New York: Basic Books.
[6] Malchaire JB, Roquelaure Y, Cock N, Piette A, Vergracht S, Chiron (2001). Musculoskeletal complaints, functional capacity, personality and psychosocial factors. Int Arch Occup Environ Health 74: 549-557.
[7] Schmidt KH, Neubach B, Luttmann A, Jäger M (2006). Gesundheitliche Beeinträchtigungen, Fehlzeiten und Fluktuationsneigung bei Altenpflegekräften. Zbl Arbeitsmed 56: 10-18.