
Das Bewältigen zahlreicher Anforderungen in der modernen Arbeitswelt setzt den Einsatz von Selbstkontrollprozessen voraus. Derartige Prozesse bilden die Grundlage für eine flexible und zielbezogene Verhaltenssteuerung. Gleichzeitig gehen mit ihrem Einsatz bestimmte psychische Kosten einher, die gerade in Anwendungsbezügen bisher nur wenig beachtet wurden. Ziel der Projektgruppe ist die Analyse dieser Kosten einschließlich der Möglichkeiten ihrer arbeitsgestalterischen Reduzierung.
Wissenschaftliche Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen
Aktuelle Forschung
Projektbereich "Endogene Umstellungsprozesse bei zeitvarianten Aufgabenstellungen"
(Thomas Kleinsorge, Nicolas Apitzsch)
Die moderne Arbeitswelt ist durch steigende Anforderungen an Flexibilität gekennzeichnet, woraus sowohl Chancen als auch Risiken resultieren. In diesem Projektbereich werden laborexperimentelle Untersuchungen durchgeführt, mittels derer die Funktionsweise derjenigen psychischen Funktionen erforscht wird, die diese Flexibilität gewährleisten. Dabei kommt der Untersuchung von Aufgabenwechseln eine zentrale Bedeutung zu. Dabei wird u. a. untersucht, inwieweit sich intern gesteuerte Aufgabenwechsel von extern veranlassten Aufgabenwechseln unterscheiden.
Projektbereich "Modulation emotional bedingter Interferenz"
(Thomas Kleinsorge)
Zur Erreichung arbeitsrelevanter Ziele ist es häufig erforderlich, spontan auftretende oder von außen angeregte Emotionen zu kontrollieren. Aus psychologischer Sicht spielen in diesem Zusammenhang mindestens zwei Faktoren eine wichtige Rolle. Der erste Faktor ist die Stärke, mit der emotionale Impulse mit arbeitsrelevanten Anforderungen konfligieren. Der zweite Faktor resultiert aus den Mechanismen, mittels derer Menschen derartige Konflikte zwischen emotionalen Impulsen und Situationsanforderungen zu kontrollieren versuchen. Im Rahmen laborexperimenteller Studien untersuchen wir u. a. das Wechselspiel dieser Faktoren, wobei wir uns aktuell u. a. für die Wirkung von Antizipationsprozessen interessieren.
Projektbereich "Beanspruchungswirkungen von Selbstkontrollanforderungen in realen Arbeitskontexten"
(Stefan Diestel, Klaus-Helmut Schmidt)
Anforderungen der modernen Arbeitswelt setzen ein kontrolliertes und zielgerichtetes Verhalten voraus. Bei der Bewältigung dieser Anforderungen müssen Beschäftigte nicht nur das betrieblicherseits gewünschte Verhalten zeigen, sondern gleichzeitig Selbstkontrolle aufbringen, um gewohnheitsmäßiges Verhalten und spontan auftretende Emotionen zu unterdrücken. In diesem Projektbereich gehen wir der Frage nach, ob und unter welchen Bedingungen geforderte Selbstkontrolle bei der Arbeit beanspruchungswirksam ist.
Projektbereich "Selbstkontrollanforderungen und Burnout"
(Marlen Hupke, Natalie Freund, Klaus-Helmut Schmidt)
Das Bewältigen von Selbstkontrollanforderungen schlägt sich insbesondere im Burnout-Erleben von Personen nieder. Hohe Burnout-Ausprägungen gehen darüber hinaus mit Defiziten in bestimmten (laborexperimentell angeregten) Kontrollfunktionen einher (wie z. B. Inhibition dominanter Reaktionstendenzen und Daueraufmerksamkeit). Hierauf aufbauend soll bei Personen mit unterschiedlichen Burnout-Ausprägungen analysiert werden, ob derartige Kontrolldefizite auch bei Aufgaben nachweisbar sind, deren Bearbeitung den Einsatz anderer Kontrollfunktionen erfordern (z. B. Emotionskontrolle, Aufgabenwechsel).
Experimentelle Möglichkeiten
Aktuelle Drittmittel
Kooperationspartner /Vernetzung
im Wissenschaftsbereich
- Prof. Dr. R. Kanfer (Georgia Institute of Technology)
- Prof. Dr. J. Kuhl (Universität Osnabrück)
- Prof. Dr. W. Kunde (TU Dortmund)
- Prof. Dr. van der Linden (University of Nijmegen)
- Prof. Dr. R. von Dick (Universität Frankfurt)
- Prof. Dr. J. Wegge (Universität Dresden)
in der Praxis
- BAHN-Betriebskrankenkasse, Frankfurt a. M.
- Berufsgenossenschaftliches Institut "Arbeit und Gesundheit" (BGAG), Dresden
- Einrichtungen der stationären Altenpflege
- Finanzverwaltung von NRW
- Versorgungsverwaltung von NRW
Publikationen (aktuelle Auswahl)
Diestel S, Schmidt K-H: Mediator and moderator effects of demands on self-control in the relationship between work load and indicators of job strain. Work & Stress 23: 60-79 (2009).
Kleinsorge T: Anticipation selectively enhances interference exerted by pictures of negative valence. Exp Psychol 56: 228-235 (2009).
Kleinsorge T: Stimulus-response compatibility based on affective arousal. Cogn Emot 23: 663-674 (2009).
Schmidt K-H, Neubach B: Selbstkontrollanforderungen als spezifische Belastungsquelle bei der Arbeit. Z Personalpsychol 8: 169-179 (2009).
Kleinbeck U, Schmidt K-H (Hrsg.) (2010). Arbeitspsychologie. Enzyklopädie der Psychologie. Göttingen: Hogrefe.
Neubach B, Schmidt K-H: Haupt- und Interaktionseffekte von Selbstkontrollanforderungen auf Indikatoren der Arbeitsbeanspruchung. Z Arbeits Organisationspsychol 52 (NF 26): 17-24 (2008).
Schmidt K-H, Neubach B: Personal goals, organizational goals and indicators of job strain. Z Arbeitswiss 62: 88-98 (2008).
Wegge J, Roth C, Neubach B, Schmidt K-H, Kanfer R: Age and gender diversity as determinants of performance and health in a public organization: The role of task complexity and group size. J Appl Psychol 93: 1301-1313 (2008).
Kleinsorge T: Anticipatory modulation of interference induced by unpleasant pictures. Cogn Emot 21: 404-421 (2007).
Wegge J, Schmidt K-H, Parkes C, van Dick R: 'Taking a sickie': job satisfaction and job involvement as interactive predictors of absenteeism in a public organization. J Occup Organiz Psychol 80: 77-89 (2007).
Schmidt K-H: Organizational commitment: a further moderator in the relationship between work stress and strain? Int J Stress Management 14: 26-40 (2007).
Kleinsorge T, Gajewski PD: Transformation of task components into an integrated representation during task switching. Acta Psychol 125: 334-345 (2007).
Schmidt K-H, Neubach B, Heuer H: Self-control demands, cognitive control deficits, and burnout. Work & Stress 21: 142-154 (2007).
Schmidt K-H, Neubach B: Self-control demands: a source of stress at work. Int J Stress Managem 14: 398-416 (2007).