
Das Bewältigen zahlreicher Anforderungen in der modernen Arbeitswelt setzt den Einsatz von Selbstkontrollprozessen voraus. Derartige Prozesse bilden die Grundlage für eine flexible und zielbezogene Verhaltenssteuerung. Gleichzeitig gehen mit ihrem Einsatz bestimmte psychische Kosten einher, die gerade in Anwendungsbezügen bisher nur wenig beachtet wurden. Ziel der Projektgruppe ist die Analyse dieser Kosten einschließlich der Möglichkeiten ihrer arbeitsgestalterischen Reduzierung.
Wissenschaftliche Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen
Aktuelle Forschung
Projektbereich "Endogene Umstellungsprozesse bei zeitvarianten Aufgabenstellungen"
(Thomas Kleinsorge,Juliane Scheil)
Die moderne Arbeitswelt ist durch steigende Anforderungen an Flexibilität gekennzeichnet, woraus sowohl Chancen als auch Risiken resultieren. In diesem Projektbereich werden laborexperimentelle Untersuchungen durchgeführt, mittels derer die Funktionsweise derjenigen psychischen Funktionen erforscht wird, die diese Flexibilität gewährleisten. Dabei kommt der Untersuchung von Aufgabenwechseln eine zentrale Bedeutung zu. Dabei wird u. a. untersucht, inwieweit sich intern gesteuerte Aufgabenwechsel von extern veranlassten Aufgabenwechseln unterscheiden.
Projektbereich "Modulation emotional bedingter Interferenz"
(Thomas Kleinsorge)
Zur Erreichung arbeitsrelevanter Ziele ist es häufig erforderlich, spontan auftretende oder von außen angeregte Emotionen zu kontrollieren. Aus psychologischer Sicht spielen in diesem Zusammenhang mindestens zwei Faktoren eine wichtige Rolle. Der erste Faktor ist die Stärke, mit der emotionale Impulse mit arbeitsrelevanten Anforderungen konfligieren. Der zweite Faktor resultiert aus den Mechanismen, mittels derer Menschen derartige Konflikte zwischen emotionalen Impulsen und Situationsanforderungen zu kontrollieren versuchen. Im Rahmen laborexperimenteller Studien untersuchen wir u. a. das Wechselspiel dieser Faktoren, wobei wir uns aktuell u. a. für die Wirkung von Antizipationsprozessen interessieren.
Projektbereich "Beanspruchungswirkungen von Selbstkontrollanforderungen in realen Arbeitskontexten"
(Stefan Diestel, Klaus-Helmut Schmidt)
Anforderungen der modernen Arbeitswelt setzen ein kontrolliertes und zielgerichtetes Verhalten voraus. Bei der Bewältigung dieser Anforderungen müssen Beschäftigte nicht nur das betrieblicherseits gewünschte Verhalten zeigen, sondern gleichzeitig Selbstkontrolle aufbringen, um gewohnheitsmäßiges Verhalten und spontan auftretende Emotionen zu unterdrücken. In diesem Projektbereich gehen wir der Frage nach, ob und unter welchen Bedingungen geforderte Selbstkontrolle bei der Arbeit beanspruchungswirksam ist.
Projektbereich "Selbstkontrollanforderungen und Burnout"
( Natalie Freund, Klaus-Helmut Schmidt)
Das Bewältigen von Selbstkontrollanforderungen schlägt sich insbesondere im Burnout-Erleben von Personen nieder. Hohe Burnout-Ausprägungen gehen darüber hinaus mit Defiziten in bestimmten (laborexperimentell angeregten) Kontrollfunktionen einher (wie z. B. Inhibition dominanter Reaktionstendenzen und Daueraufmerksamkeit). Hierauf aufbauend soll bei Personen mit unterschiedlichen Burnout-Ausprägungen analysiert werden, ob derartige Kontrolldefizite auch bei Aufgaben nachweisbar sind, deren Bearbeitung den Einsatz anderer Kontrollfunktionen erfordern (z. B. Emotionskontrolle, Aufgabenwechsel).
Experimentelle Möglichkeiten
Aktuelle Drittmittel
2010-2012 "Altersdifferenzierte Arbeitssysteme" (DFG)
2010-2012 "Vorinformation und die Effizienz von Aufgabenwechseln bei variierender Aufgabenzahl" (DFG)
2011-2013 "Kontrolle valenzbasierter Störungen der Informationsverarbeitung" (DFG)
Kooperationspartner /Vernetzung
im Wissenschaftsbereich
- Prof. Dr. R. Kanfer (Georgia Institute of Technology)
- Prof. Dr. J. Kuhl (Universität Osnabrück)
- Prof. Dr. W. Kunde (Universität Würzburg)
- Prof. Dr. van der Linden (University of Nijmegen)
- Prof. Dr. R. von Dick (Universität Frankfurt)
- Prof. Dr. J. Wegge (Universität Dresden)
in der Praxis
- BAHN-Betriebskrankenkasse, Frankfurt a. M.
- Berufsgenossenschaftliches Institut "Arbeit und Gesundheit" (BGAG), Dresden
- Einrichtungen der stationären Altenpflege
- Finanzverwaltung von NRW
- Versorgungsverwaltung von NRW
Publikationen (aktuelle Auswahl)
Kleinsorge, T. & Apitzsch, N. (2012). Task preparation based on precues versus memory: Precues lead to superior performance with two tasks but not with four tasks. Journal of Cognitive Psychology, 24, 140-156.
Schmidt K-H: The relation of goal incongruence and self-control demands to indicators of job strain among elderly care nursing staff: A cross-sectional survey study combined with longitudinally assessed absence measures. Int J Nurs Stud 47: 855-863 (2010).
Diestel S, Schmidt K-H: Direct and interaction effects among the dimensions of the Maslach Burnout Inventory: results from two German longitudinal samples. Int J Stress Management 17: 159-180 (2010).
Ries BC, Diestel S, Wegge J, Schmidt K-H: Die Rolle von Alterssalienz und Konflikten in Teams als Mediatoren der Beziehung zwischen Altersheterogenität und Gruppeneffektivität. Z Arb Organisationspsychol 54 (NF 28): 117-130 (2010).
Diestel S, Schmidt K-H: Interactive effects of emotional dissonance and self-control demands on burnout, anxiety, and absenteeism. J Vocat Behav 77: 412-424 (2010).
Schmidt K-H, Diestel S: Differential effects of decision latitude and control on the job demands-strain relationship: A cross-sectional survey study among elderly care nursing staff. Int J Nurs Stud 48: 307-317 (2011).
Diestel S, Schmidt K-H: Costs of simultaneous coping with emotional dissonance and self-control demands at work: results from two German samples. J Appl Psychol 96: 643–653 (2011).
Diestel S, Schmidt K-H: The moderating role of cognitive control deficits in the link from emotional dissonance to burnout symptoms and absenteeism. J Occup Health Psychol 16(3): 313–330 (2011).
Kleinbeck U, Schmidt K-H (Hrsg.) (2010). Arbeitspsychologie. Enzyklopädie der Psychologie. Göttingen: Hogrefe.
Kleinsorge, T. (2009). Switching among two-component tasks. In: A.M. Columbus (Ed.), Advances in Psychology Research Vol 59. Nova Science Publishers (pp. 101-118).
Diestel S, Schmidt K-H: Mediator and moderator effects of demands on self-control in the relationship between work load and indicators of job strain. Work & Stress 23: 60-79 (2009).
Kleinsorge T: Anticipation selectively enhances interference exerted by pictures of negative valence. Exp Psychol 56: 228-235 (2009).
Kleinsorge T: Stimulus-response compatibility based on affective arousal. Cogn Emot 23: 663-674 (2009).
Schmidt K-H, Neubach B: Selbstkontrollanforderungen als spezifische Belastungsquelle bei der Arbeit. Z Personalpsychol 8: 169-179 (2009).
Kleinsorge T: Anticipatory modulation of interference induced by unpleasant pictures. Cogn Emot 21: 404-421 (2007).