Koordination: Priv.-Doz. Dr. Gerhard Rinkenauer
Bei dem enormen Zuwachs an technischen Systemen im Fahrzeug ist es heute nicht mehr möglich, für jedes System eine separate Anzeige zu verwenden. Man geht daher dazu über, die Informationen mit Hilfe von Computern innerhalb eines einzelnen Displays zu organisieren. Viele der dargebotenen Informationen verlangen vom Fahrer eine visuelle Kontrolle oder manuelle Eingabe. Um die Blickabwenddauer von der Straße bei der Interaktion mit diesen Systemen zu minimieren, wird daher zunehmend dazu übergegangen, so genannte Head-Up-Displays (HUDs) zu verwenden. HUDs sind Einrichtungen, die auf der Windschutzscheibe vor dem Fahrer ein virtuelles Bild technischer Informationen erzeugen können. Die Technik der HUDs erlaubt eine Platzierung des virtuellen Bildes in beliebigen Abständen vom Betrachter. Da das virtuelle Bild eines HUD weiter entfernt vom Betrachter dargestellt werden kann als eine Information auf einem herkömmlichen Display im Fahrzeugcockpit, wird davon ausgegangen, dass bei einem Blickwechsel zwischen HUD-Information und der Außenwelt die Zeit für Fixations- und Akkommodationswechsel reduziert ist.
Als wesentlicher Nachteil der HUDs wird die Gefahr der unangemessenen Aufmerksamkeitsfixierung auf HUD-Inhalte gesehen. Die Fixierung der im HUD dargestellten Information kann einen Aufmerksamkeitswechsel zu verkehrsrelevanten Ereignissen in der Ferne vor dem Fahrzeug erschweren. Des Weiteren kann diese Information wichtige Objekte in der Umgebung wie Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer überlagern und so deren Erkennbarkeit vermindern. Darüber hinaus wird bezweifelt, ob der Vorteil von HUDs für die Blickabwenddauer tatsächlich groß genug ist, dass er gegenüber den genannten Nachteilen überwiegt. Abschätzungen aufgrund arbeitsphysiologischer Kenngrößen gehen von einem Vorteil von ca. 100 ms aus.
Ziel der Forschungsinitiative ist es, HUDs aus der Perspektive sehphysiologischer, kognitionspsychologischer und ergonomischer Betrachtungen zu evaluieren und entsprechende Studien durchzuführen. Diese Initiative beschäftigt sich nicht ausschließlich mit HUDs, sondern darüber hinaus generell mit der Problematik virtueller Displays im Praxisfeld. In den Projektgruppen Individuelle Sehleistungen und Moderne Mensch-Maschine-Systeme werden verschiedene Studien zu HUDs durchgeführt, die sich sowohl mit den sehphysiologischen als auch mit den kognitionspsychologischen Aspekten beschäftigen. Die Projektgruppen "Moderne Mensch-Maschine-Systeme" und Altern und ZNS-Veränderungen untersuchen zusammen, inwieweit HUDs für ältere Menschen einen Vorteil bei Doppelaufgaben in Fahrkontexten bringen könnten. Die Kompetenzen der Projektgruppe Transformierte Bewegungen fließen vor allem für zukünftige Entwicklungen von HUDs ein, in denen Bedienaktivitäten im Fahrzeug mit Rückmeldungen innerhalb des HUD abgeglichen werden müssen.