Nachwuchsgruppe: Arbeitsgedächtnis

Leitung

Daniel Schneider

MitarbeiterInnen
Anna Barth
Christine Mertes

In vielen Situationen der heutigen Arbeitswelt sehen wir uns mit hohen Anforderungen an unsere Informationsverarbeitungsfähigkeiten konfrontiert. Beispielsweise erfordert die Steuerung eines Kraftfahrzeugs oder die Arbeit mit einem Computer die gleichzeitige Analyse einer Vielzahl perzeptueller Reize. Diesen hohen Anforderungen steht ein Verarbeitungssystem gegenüber, das in seiner Kapazität begrenzt ist. Im Bereich der visuellräumlichen Informationsverarbeitung konnten bisherige Studien zeigen, dass nur 3-4 Reize gleichzeitig im sogenannten Arbeitsgedächtnis zwischengespeichert werden können. Kognitionspsychologische Theorien beschreiben das Arbeitsgedächtnis als einen Mechanismus, der die aktive Aufrechterhaltung transienter Information für höhere kognitive Operationen ermöglicht. Deswegen ist die Repräsentation relevanter Information im Arbeitsgedächtnis eine Voraussetzung für die intentionale Interaktion mit unserer Umwelt.

Die Nachwuchsgruppe „Arbeitsgedächtnis“ erforscht die neuralen Mechanismen, die die fortdauernde Repräsentation handlungsrelevanter Information im Arbeitsgedächtnis garantieren. An erster Stelle wird deswegen die Selektion perzeptueller Information untersucht. Bisherige Arbeiten in diesem Bereich konnten spezifische Information darüber geben, wie sogenannte attentionale Settings den Übergang perzeptueller Information in eine mentale Repräsentation gewährleisten.
Gegenwärtige Studien weisen jedoch darauf hin, dass Aufmerksamkeit auch auf mentale Repräsentationen im Arbeitsgedächtnis gerichtet werden kann. Dies dient der Ausrichtung der Inhalte im Arbeitsgedächtnis zugunsten relevanter Information und ermöglicht die Anpassung des Verhaltens an eine dynamische Umwelt. Es wird angenommen, dass die Ausrichtung von Aufmerksamkeit auf eine mentale Repräsentation vor Zerfall und Interferenz mit neueingehender Information schützt. Nicht mehr mit Aufmerksamkeit bedachte Information geht demnach in eine fragilere Repräsentation über. Die Arbeitsgruppe untersucht auf dieser theoretischen Grundlage die neuralen Mechanismen, die für die Neu-Organisation von Inhalten im Arbeitsgedächtnis verantwortlich sind.

Da das Arbeitsgedächtnis eine zentrale Instanz der Informationsverarbeitung ist, ist eine Untersuchung der oben beschriebenen Mechanismen auch für die Erforschung interindividueller Unterschiede bezogen auf die kognitive Leistungsfähigkeit relevant. Die Nachwuchsgruppe konzentriert sich in diesem Zusammenhang auf den Einfluss kognitiven Alterns auf die Arbeitsgedächtnisleistung und speziell auf die Untersuchung der Abnahme inhibitorischer Kontrolle über die Informationsverarbeitung mit zunehmendem Alter.

Projektbezogene Publikationen

  • Schneider, D., Mertes, C., & Wascher, E. (2016). The time course of visuo-spatial working memory updating revealed by a retro-cuing paradigm. Sci Rep, 6, 21442. doi:10.1038/srep21442
  • Mertes, C., Wascher, E., & Schneider, D. (2016). From Capture to Inhibition: How does Irrelevant Information Influence Visual Search? Evidence from a Spatial Cuing Paradigm. Front Hum Neurosci, 10, 232. doi:10.3389/fnhum.2016.00232
  • Schneider, D., Mertes, C., & Wascher, E. (2015). On the fate of non-cued mental representations in visuo-spatial working memory: Evidence by a retro-cuing paradigm. Behav Brain Res, 293, 114-124. doi: 10.1016/j.bbr.2015.07.034
  • Schneider, D. (2015). Committing Errors as a Consequence of an Adverse Focus of Attention. In M. Raab, B. Lobinger, S. Hoffmann, A. Pizzera, & S. Laborde (Eds.), Performance Psychology – Perception, Action, Cognition, and Emotion (1 ed.): Academic Press
  • Wascher, E., Schneider, D., & Hoffmann, S. (2015). Does response selection contribute to inhibition of return? Psychophysiology, 52(7), 942-950. doi: 10.1111/psyp.12420
  • Schneider, D., Hoffmann, S., & Wascher, E. (2014). Sustained posterior contralateral activity indicates re-entrant target processing in visual change detection: an EEG study. Front Hum Neurosci, 8, 247. doi: 10.3389/fnhum.2014.00247
  • Schneider, D., & Wascher, E. (2013). Mechanisms of target localization in visual change detection: an interplay of gating and filtering. Behav Brain Res, 256, 311-319. doi: 10.1016/j.bbr.2013.08.046
  • Wascher, E., Schneider, D., Hoffmann, S., Beste, C., & Sanger, J. (2012). When compensation fails: attentional deficits in healthy ageing caused by visual distraction. Neuropsychologia, 50(14), 3185-3192. doi: 10.1016/j.neuropsychologia.2012.09.033
  • Schneider, D., Beste, C., & Wascher, E. (2012b). On the time course of bottom-up and top-down processes in selective visual attention: an EEG study. Psychophysiology, 49(11), 1492-1503. doi: 10.1111/j.1469-8986.2012.01462.x
  • Schneider, D., Beste, C., & Wascher, E. (2012a). Attentional capture by irrelevant transients leads to perceptual errors in a competitive change detection task. Front Psychol, 3, 164. doi: 10.3389/fpsyg.2012.00164
  • Beste, C., Schneider, D., Epplen, J. T., & Arning, L. (2011). The functional BDNF Val66Met polymorphism affects functions of pre-attentive visual sensory memory processes. Neuropharmacology, 60(2-3), 467-471. doi: 10.1016/j.neuropharm.2010.10.028