Visuelle Funktionen

Leitende Wissenschaftler: Stephanie Jainta, Edmund Wascher
Mitarbeiter: n.a.
Drittmittel: n.a.  
Kooperationspartner: Simon P. Liversedge (University Southampton); Hazel. I. Blythe (University Southampton); Tara Alvarez (NJIT, USA)

beautiful-2314Die Bewegungen der Augen zeigen „in jedem Augenblick“ an, worauf der Mensch bei der Arbeit aktuell seinen Blick und damit seine Aufmerksamkeit richtet. Für hohe Sehleistungen ohne Beschwerden ist es erforderlich, dass die Bewegungen der beiden Augen möglichst gut koordiniert sind. Diese Aufgabe im System der Okulomotorik fällt der Vergenz zu, und damit einer Augenbewegung, die die Augen zueinander dreht (Konvergenz) oder voneinander weg (Divergenz). Eine gut abgestimmte Koordination beider Augen ist u.a. für das „Einfachsehen“, also für die Wahrnehmung eines einfachen Perzepts (z. B. eines Wortes oder eines Objektes) unerlässlich. Nur wenn die Bilder in beiden Augen auf korrespondierende Netzhautstellen „gedreht“ werden, kann ein Objetkt als ein einzelnes erkannt werden, und es kann  in weiteren Verarbeitungsschritten dann sogar Tiefe zwischen benachbarten Objekten berechnet werden (Stereoopsis). Typischerweise unterscheiden sich auch normalsichtige Menschen wesentlich in der Qualität der beidäugigen Koordination – und damit kann die visuelle Informationsaufnahme erschwert oder die Orientierung im Raum beeinträchtigt sein.
Betrachtet man eine Fertigkeit, die aus unserer modernen Gesellschaft nicht wegzudenken ist – das Lesen, und damit die visuelle Informationsautnahme aus geschriebenen Texten – so stellt man fest, dass erfolgreiches Lesen Verarbeitungsprozesse über viele Ebenen hinweg (von okulomotorischen bis hin zu kognitiven Prozessen) erfordert. Wir untersuchen in diesem Zusammenspiel der Funktionen grundlegende Prozesse der beidäugige Fusion und können Auswirkungen auf nachgeschaltete Prozesse, wie die lingistische Verarbeitung und letztlich die Leseleistung, damit umfassend verstehen und vorhersagen.
Im Kontext der physiologischen Faktoren des Sehens widmen wir uns somit aktuell hauptsächlich der Erarbeitung und Verfeinerung von Modellen der Vergenzkontrolle und der Betrachtung der beidäugigen Koordination während des Lesens – betrachten aber auch anwendungsbezogene Aspekten der beidäugigen Koordination, die z. B. im Gebrauch neuer Medien (und damit in langandauernden Nahsehaufgaben) besonders gefordert ist.

Publikationen:

Jainta, S.; Blythe, H. I.; Nikolova, M.; Jones, M. O.; Liversedge, S. P.: A comparative analysis of vertical and horizontal fixation disparity in sentence reading
Vision Res. 110: 118-127 (2015)
http://dx.doi.org/10.1016/j.visres.2015.03.008
http://ifathek.ifado.de/literatur/7639_IfADo.pdf

Nikolova, M.; Jainta, S.; Blythe, H. I.; Jones, M. O.; Liversedge, S. P.: Vergence responses to vertical binocular disparity during lexical identification
Vision Res. 106: 27-35 (2015)
http://dx.doi.org/10.1016/j.visres.2014.10.034
http://ifathek.ifado.de/literatur/7587_IfADo.pdf

Jainta S, Blythe HI, Liversedge SP: Binocular advantages in reading. Curr Biol 24: 526-530 (2014)
http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2014.01.014

Jainta S, Jaschinski W: Individual differences in binocular coordination are uncovered by directly comparing monocular and binocular reading conditions. Invest Ophthalmol Vis Sci 53: 5762-5769 (2012)
http://dx.doi.org/10.1167/iovs.12-9707

Jainta S, Dehnert A, Heinrich SP, Jaschinski W: Binocular coordination during reading of blurred and nonblurred text. Invest Ophthalmol Vis Sci 52: 9416-9424 (2011)
http://dx.doi.org/10.1167/iovs.11-8237

Jainta S, Jaschinski W, Wilkins AJ: Periodic letter strokes within a word affect fixation disparity during reading. J Vision 10(13):2, 1-11 (2010)
http://www.journalofvision.org/content/10/13/2