Vernetzungsgruppe Altern

Leitende/r Wissenschaftler/in:

PD Dr. Stephan Getzmann

Altern bedeutet Veränderung. Diese Veränderung ist vielschichtig und vollzieht sich über die gesamte Lebensspanne. Sie geht einher mit einer Abnahme von kognitiven Funktionen, die für vielfältige Tätigkeiten im Berufs- und Privatleben relevant sind. Der Abnahme von fluiden Funktionen wie Aufmerksamkeit und exekutive Kontrolle steht die Zunahme von kristallinen Funktionen gegenüber, die auf Lernen und Erfahrung beruhen. Zudem entwickeln Ältere oft Strategien zur effizienten Kompensation von Defiziten. Gesundes Altern zu verstehen heißt daher, die Grundlagen der Veränderungen aufzuklären und die Einflussfaktoren und deren komplexe Wechselwirkungen über die Zeit hinweg aufzudecken.
Die Vernetzungsgruppe Altern erforscht Veränderungen kognitiver Funktionen beim Menschen im mittleren und höheren Lebensalter mittels verhaltensexperimenteller und neurophysiologischer Verfahren. Ziele unserer Arbeit sind die Aufklärung und Modellierung des Zusammenspiels von fluiden und kristallinen Funktionen, Kompensationsstrategien und den Folgen für den arbeitenden Menschen. Gerade im Arbeitskontext spielt eine hohe kognitive Leistungsfähigkeit eine wesentliche Rolle. Dies gilt für die geistige Flexibilität bei der gleichzeitigen Bewältigung mehrerer Aufgaben, die fokussierte Aufmerksamkeit zur Vermeidung von Ablenkung, aber auch für die Kommunikationskompetenz und Stressresistenz in fordernden Arbeitssituationen. Wir untersuchen diese Prozesse an prototypischen Beispielen aus der Arbeitswelt, etwa bei der Bedienung von Maschinen (am Beispiel des Autofahrens in den Projekten DisDrive und DoBoLSiS), der Wirkung von Ablenkung auf komplexe geistige Arbeiten (im Projekt Arbeitsunterbrechungen) bis hin zum Sprachverstehen unter erschwerten Bedingungen (in den Projekten TrainStim und Hören im Alter).
Um der Vielfalt von Einflussfaktoren gerecht zu werden, verfolgen wir einen integrativen und interdisziplinären Ansatz, der auf die Identifikation von individuellen (z.B. Genetik, Lebensstil, immunologischer Status) und umweltbezogenen Faktoren (z.B. Art der Arbeit, Stress) abzielt. Wir nehmen dabei eine fachbereichs¬übergreifende Vernetzungsfunktion wahr, um die vielfältige Expertise des IfADo zum Thema Altern zu bündeln. Zudem engagieren wir uns im Leibniz-Forschungsverbund „Gesundes Altern“, einer interdisziplinären Kooperation von 21 wissenschaftlichen Instituten der Leibniz-Gemeinschaft, und in der European Cognitive Aging Society (EUCAS).