Konferenz: Wie wirken Nanopartikel auf lebende Organismen?

Sind Nanopartikel unbedenklich für den Menschen oder mitverantwortlich für Krankheiten wie zum Beispiel Alzheimer oder Asthma? Wie gelangen Nanopartikel überhaupt in lebende Organismen und in die Umwelt? Wie lassen sich Nanopartikel produzieren, die für Verbraucher sicher sind und gleichzeitig die gewünschten, industriellen Anforderungen erfüllen? Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen braucht es dafür? Diese Fragestellungen erörtern internationale Experten auf der diesjährigen Nanosafety in der Zeit vom 11. bis 13. Oktober in Saarbrücken.

Am 11. Oktober setzen sich die Wissenschaftler mit möglichen Umwelteffekten von Nanopartikeln auseinander. So wird ein Modell vorgestellt, mit dem sich abschätzen lässt, wie sich Nanopartikel oder Nanomaterialien auf die Umwelt auswirken. Darin berücksichtigen die Forscher unterschiedliche Faktoren, wie zum Beispiel den Lebenszyklus, Transport und die Veränderung von Nanomaterialien, wenn sie in die Umwelt gelangen. Außerdem diskutieren die Wissenschaftler das Prinzip des sogenannten Safe-by-Design: Mit ihm sollen schon durch die Art der Produktion die Risiken von Nanopartikeln minimiert werden. Dazu stellen die internationalen Experten Methoden vor, um unterschiedliche Nanopartikel nachweisen zu können und auf ihre Eigenschaften und Sicherheit zu überprüfen.

„In vielen Produkten des Alltags, wie zum Beispiel als Schutzbeschichtungen auf Laptops, Brillen oder Personalausweisen, auf Touch-Screens, in Sonnencreme oder in medizinischen Produkten sind Nanopartikel enthalten. Wir streben den bestmöglichen Nutzen der Nanopartikel an. Deshalb ist das Safe-by-Design Prinzip so wichtig.“, erklärt Annette Kraegeloh, Koordinatorin des Leibniz-Forschungsverbundes Nanosicherheit. Die Forscherinnen und Forscher setzen sich auch mit der Idee auseinander, wie man europaweit ein standardisiertes Verfahren nutzen kann, um die Auswirkungen von Nanopartikeln einzuschätzen. Ob bestimmte Nanopartikel Nervengewebe schädigen können, also neurotoxisch wirken, ist ein Themenschwerpunkt am 12. Oktober.

Dieser vielschichtigen Frage gehen die Wissenschaftler mit unterschiedlichen Forschungsansätzen nach: Sie nutzen verschiedene Modelle, die die Verhältnisse in lebenden Organismen nachahmen und in Zukunft Tierversuche ersetzen sollen. Die Experten aus dem LeibnizForschungsverbund Nanosicherheit, aus den USA, der Schweiz und Frankreich untersuchen beispielsweise, ob und über welche Mechanismen Nanopartikel aus Mangan oder in Dieselabgasen Organe schädigen können. Ein weiterer großer Themenblock präsentiert verschiedene wissenschaftliche Methoden, mit denen Nanopartikel hergestellt und ihre Wechselwirkungen mit Zellen abgebildet werden können. Die Konferenz schließt am 13. Oktober mit einer Vortragsreihe über Wirkungen und Wirkmechanismen verschiedener Nanopartikel. So wird beispielsweise diskutiert, wie Nanopartikel im Falle vorhandener Vorerkrankungen wirken.

Hintergrund Leibniz-Forschungsverbund Nanosicherheit

Hintergrund Veranstalter der Nanosafety 2017 ist der Leibniz-Forschungsverbund Nanosicherheit. Das INM ist Koordinator des Forschungsverbundes, sein Sprecher ist Eduard Arzt, wissenschaftlicher Geschäftsführer am INM. An der Nanosafety nehmen rund 80 Wissenschaftler aus 20 Ländern teil. Weitere Informationen zur Nanosafety 2017 unter www.nanosafety2017.de. Seit 2013 widmen sich sechs Leibniz-Institute und externe Partner in diesem Verbund dem Thema Nanosicherheit aus verschiedenen Blickwinkeln: Chemiker, Physiker, Materialwissenschaftler, Toxikologen, Mediziner, Bildungswissenschaftler und Datenbankspezialisten bündeln unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft ihre unterschiedlichen Kompetenzen und Arbeitsweisen. Unter dem Motto „Verstehen – Entwickeln – Erklären“ forschen sie an Nanopartikeln und an ihren Wechselwirkungen mit Geweben. Sie gehen außerdem der Frage nach, wie „Nano“ und „Nanosicherheit“ in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden und wie sich wissenschaftliche Daten dazu speichern und vergleichen lassen.

Weitere Informationen zum Forschungsverbund Nanosicherheit unter www.leibniz-nanosicherheit.de.

Hier gelangen Sie zur Broschüre des Leibniz-Forschungsverbundes „Nanosicherheit“.

Quelle der Pressemitteilung: INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien