Harnblasenkrebs: Erste S3-Leitlinie veröffentlicht

In Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert Koch-Institutes rund 28000 Menschen jährlich neu an einem Harnblasentumor. Damit ist das Harnblasenkarzinom der zweithäufigste bösartige Tumor in der Urologie. Eine hochwertige nationale Leitlinie, die Ärzte, Pflegekräfte, Selbsthilfegruppen oder Patienten als Entscheidungshilfe nutzen können, fehlte jedoch bislang. Nun hat das „Leitlinienprogramm Onkologie“ erstmals eine S3-Leitlinie zur „Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms“ vorgelegt. 

In der vor Kurzem veröffentlichten Leitlinie wurden mehr als 17000 wissenschaftliche Arbeiten analysiert und rund 320 Evidenztabellen zusammengestellt. Mitbeteiligt an der 371 Seiten starken Leitlinie war Prof. Klaus Golka, Leiter der zentralen wissenschaftlichen Einheit Klinische Arbeitsmedizin am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo). „Es gibt Tätigkeiten mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung eines Harnblasenkarzinoms. Darunter fallen Berufe wie z. B. die des Malers oder Friseurs“, sagt Golka.painting-911805_960_720

Am IfADo erforscht der Mediziner u.a. die beruflichen und außerberuflichen Ursachen von Tumoren des Urogenitaltraktes. „Ärzte sollten bei Patienten mit Harnblasenkarzinom eine Berufsanamnese erheben“, fasst Golka eine der zentralen Empfehlungen der neuen Leitlinie zusammen.

Auf der Grundlage der medizinischen Leitlinie wird derzeit eine allgemeinverständliche Patientenleitlinie erstellt. Das Dokument soll den Betroffenen bei schwierigen Entscheidungen helfen, eine informierte Entscheidung treffen zu können – etwa über den Erhalt oder die Entfernung der Harnblase. Die S3-Leitlinie wird im Abstand von fünf Jahren aktualisiert.

Was ist eine S3-Leitlinie?

Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte und Patienten zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren. Leitlinien sind für Ärzte rechtlich nicht bindend. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) unterteilt Leitlinien in vier Stufen (S1, S2k, S2e und S3), je nach angewendeter Methodik. Während eine S1-Leitlinie von einer Expertengruppe in einem informellen Verfahren erarbeitet wird, ist eine S3-Leitlinie evidenz- und konsensbasiert, ihr liegt also eine höhere methodische Qualität zu Grunde als den drei anderen Stufen.

Ansprechpartner am IfADo:
Prof. Dr. Klaus Golka
Leitung Klinische Arbeitsmedizin
Tel.: +49/ 231 1084 344

Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft/Deutsche Gesellschaft für Urologie