10. DORTMUNDER WISSENSCHAFTSTAG
Tour "Wandel der Arbeitswelt und Chancen der Demografie"
Frau Isabel Rothe die Präsidentin der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) begrüßte die Tourteilnehmer in den Räumlichkeiten der DASA Arbeitswelt Austellung.
Die DASA Arbeitswelt Ausstellung, die Sozialforschungsstelle Dortmund (SfS) und das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) informierten gemeinsam über den rasanten Wandel der Arbeitswelt in den letzten 100 Jahren und über die Entwicklungen, auf die es in der Zukunft zu reagieren gilt.
Zuerst erlebten die Teilnehmer in der Dauerausstellung der DASA, wie sehr die Industrialisierung die Arbeitsbedingungen revolutioniert hat - und welche enormen Veränderungen sich hier insbesondere seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ergaben (Dr. Bernd Holtwick; Peter Busse).
Danach ging es dann unmittelbar in die Gegenwart und Zukunft. Das IfADo stellte technische Innovationen vor, mit denen sich die kommenden demografischen Herausforderungen besser meistern lassen. Herr PD Dr. Matthias Jäger (Projektgruppenleiter "Biodynamik") erläuterte dies exemplarisch anhand der Arbeitsbedingungen in der Pflege. Mit dem Dortmunder Pflegemessbett lassen sich die unmittelbaren Hebe-Schiebe-Trage-Belastungen der Pflegekräfte während Patiententransfers ermitteln. Daraus lassen sich präventive Vermeindungsstrategien gegen Überbelastungen des Skelettapparates ableiten, die der Gesunderhaltung pro-aktiv dienlich sind.

Herr PD Matthias Jäger referiert zur Problematik "Patiententransfer".
Foto: Andreas Wahlbrink; in der DASA Arbeitswelt Ausstellung.
Welche Chancen mit "sozialen Innovationen" verbunden sind, erläuterte die SfS anschaulich. Sie gewährte dabei interessante Einblicke in bekannte Projekte wie die "Mikrokredite" als Entwicklungsprojekte, aber auch in aktuelle Forschungen, die sich auf die verbesserte Zusammenarbeit aller Partner bei der Pflege in ländlichen Räumen konzentrieren (Jürgen Schultze).
Nachlese zur Dortmunder Jubiläumsveranstaltung
Die Biodynamiker des IfADo simulieren Situationen aus dem realen Arbeitsalltag. Die Forschergruppe hat ein "intelligentes Bett" entwickelt, um gängige Pflegeprozesse zu untersuchen.
Die Dortmunder Wissenschaftler messen die ernormen mechanischen Belastungen, denen die Wirbelsäulen des Pflegepersonals ausgesetzt sind. Hierzu wird die reale Pflegesituation digitalisiert: Die Körperhaltung des Pflegenden wird mit Hilfe eines Infrarot-Erfassungssystems aus verschiedenen Perspektiven erfasst und in digitale Daten umgewandelt.
Das "intelligente" Bett der Forscher misst alle Gewichtsveränderungen des darin liegenden Patienten, die Pfleger oder Pflegerin verursachen, und wandelt diese in digitale Informationen um. Zusätzliche Daten erhalten die Forscher von Kraftmessplattformen unter den Füßen der Pflegeperson. Alle Daten fließen dann in das vom Institut neu entwickelte biomechanische Modell, welches so die Höhe der Wirbelsäulenbelastung des Pflegepersonals genau bestimmen kann.
Testsituationen virtuell nachzustellen ist nicht selten mit enormen Kosteneinsparungen verbunden. Auch in der Wirtschaft wird daher immer öfter auf VR-Systeme zurückgegriffen, anstatt teure, reale Prototypen zu entwickeln.
Kontakt: PD Dr.-Ing. Matthias Jäger (Biodynamik)
Das Dortmunder Pflegemessbett - Belastungssituationen online erfassbar